Lando Norris: Ändert Tracklimits-Regelung oder riskiert Langeweile!

Lando Norris ist über seine Tracklimits-Strafe empört, denn er hatte die Position schnell zurückgegeben - Er erhält Zuspruch von einem weiteren Fahrer

von Heiko Stritzke · 04.07.2024 18:55

(Motorsport-Total.com) - Bei all den emotionalen Debatten um die Kollision zwischen Max Verstappen und Lando Norris auf dem Red Bull Ring ging fast unter, dass auch Norris eine Strafe kassierte. Er rutschte in Kurve 3 zu weit raus und erhielt eine 5-Sekunden-Strafe. Nun plädiert er für mehr Sensibilität in solchen Situationen.

Lando Norris gab den Platz hiernach sofort an Max Verstappen zurück, trotzdem wurde er bestraft

Norris hatte bereits drei Verwarnungen wegen Tracklimits, als er sich in der Spitzkehre verbremste und von der Strecke rutschte. Das reichte für eine 5-Sekunden-Strafe. Norris ärgert sich - und er ist nicht allein.

"Ehrlich gesagt ist das ziemlich dumm", sagt der McLaren-Pilot über die Handhabung der Strafen wegen Tracklimits. "Ich habe versucht zu überholen, habe mich verbremst, bin von der Strecke abgekommen und habe dann versucht, den Baguette-Randstein zu umfahren."

"Ich habe die Position sofort an Max zurückgegeben und dadurch wahrscheinlich eineinhalb Sekunden verloren. Das ist doch keine Strafe! Ich hatte einen Nachteil! So etwas hindert uns daran, richtig Rennen zu fahren. Wenn ihr nicht wollt, dass wir gegeneinander kämpfen und uns überholen, wenn ihr ein langweiliges Rennen haben wollt, dann macht weiter mit diesen Regeln."

Norris ist nicht der erste Fahrer, der sich über dieses Thema ärgert. Yuki Tsunoda ist noch heute angefressen von einer Strafe, die er auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya kassierte: "Ich kämpfte mit einem anderen Auto und wurde über die Linie gedrängt."

"Natürlich habe ich die richtige Ausweichroute genommen und bin neben dem Poller wieder auf die Strecke gefahren. Ich habe mich an alle Regeln gehalten, trotzdem haben sie mir eine Strafe wegen Tracklimits aufgebrummt. Ich habe nichts gewonnen, ich habe das Auto wieder vorbeigelassen und bin hinter ihm eingeschert."


Fotos: F1: Grand Prix von Großbritannien (Silverstone) 2024


"Das ist zweimal passiert und sie haben es als Verletzung der Tracklimits geahndet. Ich verstehe das überhaupt nicht, diese Regel ist ein Witz."

In beiden Fällen wurde die Strafe nicht ausgesprochen, weil der Fahrer sich einen Vorteil verschafft hätte (Fachjargon: "Leaving the track and gaining a lasting advantage"), sondern einfach, weil er nicht zwischen den weißen Linien geblieben war.

Thema wird erneut debattiert

Das ewige Thema Tracklimits, seit der Einführung der asphaltierten Auslaufzonen ab 2002 ein Dauerbrenner in der Formel 1, wird auch in Silverstone wieder in diversen Teamchef- und Fahrermeetings diskutiert werden. Norris hofft auf eine schnelle Änderung der Sachlage.

"Ich bin mir sicher, dass das Thema bereits angesprochen wurde, denn es ist ein Unterschied, ob man von der Strecke abkommt, um sich einen Vorteil zu verschaffen, oder ob man von der Strecke abkommt, weil man einen dummen Fehler gemacht und etwas nicht richtig eingeschätzt hat."

"Dass man dafür bestraft wird, vor allem in einer Rennsituation, vor allem wenn ich noch mehr Zeit verloren habe, macht einfach keinen Sinn. Ich hoffe, dass sie das schnell in Ordnung bringen.

Nicht nur Lando Norris, auch sein McLaren-Teamkollege Oscar Piastri hatte in Österreich Ärger mit dem Tracklimit. Der Australier war im Qualifying in Kurve 6 trotz Kiesbett neben die weiße Linie gerutscht - zwischen dieser und dem Kiesbett war genau eine Autobreite Platz, die der McLaren-Pilot exakt traf.

Ein Protest von McLaren gegen die Aberkennung der Zeit wurde am Samstagabend abgewiesen. Gesprächsbedarf mit der FIA sieht der 23-Jährige nicht. Doch ihn nervt die Art und Weise, wie er überführt wurde: "Für mich geht es darum, dass wenn es Platz für ein Auto gibt, neben die Strecke zu fahren, es auf faire Art und Weise überwacht wird."

"In meinem Fall kam der Beweis von einem Hubschrauber, der nur in dieser Runde auf mich gerichtet war. Das ist schon ein bisschen schmerzhaft, denn es hätten ja auch andere Fahrer neben die Strecke fahren können, ohne dass eine Hubschrauber-Kamera auf sie gerichtet war."

"Dann heißt es wieder, wir brauchen Lösungen, aber am einfachsten wäre es, die weiße Linie 20 Zentimeter breiter zu machen, damit wir uns darüber keine Gedanken mehr machen müssen."