Bestzeit für Sainz - Albon: Williams "in viel besserer Position" als 2024
Bei Williams herrscht nach den ersten Eindrücken mit dem neuen FW47 gute Stimmung: Daran macht Alex Albon die Fortschritte des Teams konkret fest
(Motorsport-Total.com) - Williams beendet den zweiten Testtag in Bahrain an der Spitze: Carlos Sainz spult im FW47 satte 127 Runden ab, brennt dabei die Bestzeit in den Asphalt. Teamkollege Alex Albon ist am zweiten von drei Testtagen nicht im Einsatz, schaut dem Treiben seines neuen Stallgefährten aber gespannt aus der Boxengasse zu - und spricht anschließend mit den Medien über den Aufschwung beim Traditionsteam:
"Insgesamt befindet sich das Auto in einer viel besseren Position als im letzten Jahr. Es gibt ein paar Aspekte, die wir noch anpassen müssen, aber nichts, was wir nicht lösen können", verrät Albon und nennt gleich ein aktuelles Beispiel: "Über Nacht haben wir einige Änderungen vorgenommen, die einen Fortschritt gebracht haben."
Zwar seien noch nicht alle Probleme mit dem neuen Boliden gelöst, "aber insgesamt befinden wir uns in einer soliden Ausgangsposition", glaubt Albon, dass Williams trotz umfassender Neuerungen wie "neuer Software und neuer Schwerpunkte, die das Gleichgewicht des Autos ein wenig verändert haben", insgesamt alles unter Kontrolle hat.
Albon verrät: Wie "Wechsel von Android zu Apple"
In Bezug auf die Software-Änderung erklärt der 28-Jährige: "Es geht dabei weniger um einen unmittelbaren Vorteil, sondern darum, dass es einfach anders ist. Man muss sich erst daran gewöhnen. Ich werde nicht ins Detail gehen, aber es ist ein Lernprozess", so Albon, der den Umstieg mit einem "Wechsel von Android zu Apple" vergleicht.
Und auch in Sachen Hinterradaufhängung feile das Team produktiv an den Umstrukturierungen, die das modifizierte Mercedes-Paket mit sich gebracht habe und an der überarbeiteten Anordnung einiger Komponenten: Diese wirken sich laut Albon auf das Fahrverhalten aus, "und mit nur drei Testtagen ist es nicht einfach, all das sofort in den Griff zu bekommen".
Mit jeder Ausfahrt lerne man jedoch dazu, und arbeite die Checkliste ein Stückchen weiter ab, weshalb der Vergleich zum Vorjahr auch positiv ausfällt: "Insgesamt fühlt sich das Auto im Wind etwas stabiler an, das ist mein erster Eindruck. Es gibt eine gewisse Veränderung in der Balance durch die Kurven, aber wenn ich an letztes Jahr denke, hatten wir große Probleme mit Seitenwind", so Albon: "Daran haben wir gezielt gearbeitet. Mal sehen, wie sich das noch entwickelt."
Fragezeichen bleibt: Bahrain "ganz anders als Melbourne"
Allgemein sei Bahrain aber "der ideale Ort, um genau solche Dinge zu testen - und bislang schlägt sich das Auto dabei gut", sagt der Williams-Pilot, wenngleich das kühlere Wetter die Teams dieses Jahr vor die ein oder andere Überraschung stellt: Die Traktion sei entsprechend gut, auch das Überhitzen der Reifen unter diesen Umständen kein Problem - nur könne man eben wegen der besonderen Bedingungen "nicht alle Faktoren eins zu eins bewerten".
"Aber man kann viel über die Balance des Autos, seine Charakteristik und Reaktionen auf Wind lernen", konzentriert sich Albon deshalb lieber auf die aussagekräftigeren Bereiche: "Ich denke, man sollte die Tests hier keinesfalls unterschätzen. Für mich ist die größte Herausforderung eher, dass diese Strecke hier ganz anders ist als Melbourne." Beim Auftakt in Australien wartet schließlich ein enger Stadtkurs auf die Piloten.
Trotzdem zählt vor dem Saisonstart jeder Kilometer: Am Freitag wird Albon dann selbst wieder in den Williams klettern, um den bis dato vielversprechenden Test für sein Team abzuschließen. Dabei hat er die Augen aber nicht ausschließlich auf sich selbst gerichtet, sondern auch ein bisschen auf die Konkurrenz:
"Die auffälligsten Dinge sind recht offensichtlich: Max war gestern sofort schnell auf einem C2-Reifen und machte dann in Kurve zehn einen Fehler auf seiner schnellen Runde mit C3, wenn ich mich nicht irre. Lando hatte eine beeindruckende Pace bei hohem Tankfüllstand", analysiert der Brite die Gegner von Red Bull und McLaren.
"Ich spreche hier zwar über Fahrer, die nicht direkt unsere Gegner sind, aber es wird interessant zu sehen, wie sich das Ganze entwickelt", sagt er. Im engen Mittelfeld, wo Williams nach aktuellem Stand angesiedelt ist, sei die Hackordnung allerdings schon schwerer einzuschätzen, so Albon, einfach "weil die Testprogramme so unterschiedlich sind".