Tsunodas neuer Manager: "Yuki ist viel intelligenter, als viele glauben"
Am Rande des Grand Prix von Japan in Suzuka bitten wir Diego Menchaca, den neuen Manager von Red-Bull-Neuzugang Yuki Tsunoda, zum Interview
(Motorsport-Total.com) - Diego Menchaca ist überzeugt: Yuki Tsunoda ist deutlich intelligenter, als viele glauben. Bis vor kurzem wurde Tsunoda von seinem langjährigen Freund Yuta Hiramatsu sowie Mario Miyagawa und Luis Alvarez vertreten. Ende 2024 trennte sich Tsunoda jedoch von Miyagawa und Alvarez und holte Menchaca als Ersatz mit in sein Team.
"Das erste Gespräch fand letztes Jahr in Abu Dhabi statt", erklärt Menchaca am Rande des Grand Prix von Japan. "Ich war dort wegen einer Verhandlung für einen jungen Fahrer, Noah Strömsted. Jemand aus Yukis Team kontaktierte mich mit dem Wunsch nach einem Treffen, und wir trafen uns am Montag nach dem Grand Prix. Wir hatten ein erstes Gespräch, das sehr gut verlief. Im Dezember beschlossen wir dann, gemeinsam zu arbeiten."
Zur Frage nach einer möglichen Beförderung Tsunodas zu Red Bull äußert sich Menchaca zurückhaltend: "Es ist Yuki, der seine Arbeit macht, und eine großartige Gelegenheit bot sich. Dafür sind wir Red Bull sehr dankbar."
Nach seinem ersten Eindruck von Tsunoda gefragt, gibt Menchaca eine aufschlussreiche Einschätzung: Trotz Tsunodas Ruf für hitzige Funksprüche hebt er dessen Intelligenz hervor. "Ehrlich gesagt hatte ich seine beeindruckende Karriere in den Nachwuchsserien nicht in vollem Ausmaß auf dem Schirm. Yuki hat im Grunde zwei Jahre Formel 4 in Japan absolviert, ist direkt in die Formel 3 gewechselt. Nach nur einem Jahr in Europa war er schon in der Formel 2. Und dort war er der schnellste Fahrer des Jahres. Das ist wirklich beeindruckend. Viele Strecken waren für ihn noch neu."
"Ich habe das dann nochmal neu eingeordnet und erkannt, wie viel Talent er wirklich hat. Man sieht auch seine natürliche Geschwindigkeit. Ich glaube außerdem, dass er heute ein sehr gutes technisches Verständnis für den Sport hat. Selbst Leute in seinem Umfeld sind beeindruckt davon, wie detailliert sein technisches Feedback ist und wie gut er den Sport versteht. Er ist ein sehr kluger Mensch, wirklich intelligent. Ich bin mir sicher: Er ist viel klüger, als man denkt."
Menchaca ergänzt: "Er ist so ein extrovertierter Typ. Fantastisch. Eine großartige Persönlichkeit, sehr locker. Aber hinter all dem steckt ein sehr intelligenter Mensch. Es ist offensichtlich: Um so lange in der Formel 1 zu bleiben, muss man sehr intelligent sein. Und noch etwas: Er ist extrem aufmerksam. Ihm entgeht kein Detail. Er ist jemand, der genau weiß, was in seinem Team und um ihn herum passiert."
"Ehrlich, was ich wirklich sagen will, ist: Er ist so eine authentische Person. Er ist einfach er selbst. Keine Maske, kein Schauspiel. Auch im Umgang mit Sponsoren oder Leuten, die ihn treffen. Alle schätzen, wie unkompliziert und natürlich er ist."
Menchaca, geboren 1994, ist erst 30 Jahre alt. Er begann mit dem Kartsport im Alter von acht Jahren und machte eine Karriere als Rennfahrer - unter anderem in der GP3 (heute Formel 3), mit Campos Racing im Jahr 2018. Seit 2019 tritt er vor allem im GT- und Langstreckenbereich an.
Während er 2025 Tsunoda managt, plant er auch Starts bei Events wie den 24 Stunden von Spa: "Ich kümmere mich seit meinem zehnten Lebensjahr um meine eigene Karriere. Also betreibe ich im Grunde seit 20 Jahren Management", sagt er. Auf die Frage, ob es ein Vorteil sei, selbst Rennfahrer zu sein, antwortet Menchaca: "Ich denke, das hilft. Aber die wichtigste Erkenntnis aus meiner Karriere ist: Man muss sich mit den besten verfügbaren Leuten umgeben. Das ist die größte Lektion."
"Im Fall von Yuki stellen wir genau das sicher. Wir bauen ein top Team um ihn herum", so Menchaca weiter. "Er hat einen hervorragenden Anwalt, der übrigens ein wichtiger Faktor für meinen Einstieg ins Team war. Yuta, der sich seit Jahren um Yuki kümmert, hat ebenfalls großartige Arbeit geleistet. Und jetzt holen wir auch im kommerziellen Bereich sehr erfahrene Leute dazu. Ich bin wirklich zufrieden mit dem Team, das wir aufbauen. Das ist die wichtigste Erkenntnis, die ich aus meiner Zeit als Rennfahrer mitbringe."
"Etwas anderes, das ebenfalls hilft - auch wenn er vom Talent her in einer ganz anderen Liga fährt als ich -, ist, dass ich seine Gedanken und Gefühle als Fahrer nachvollziehen kann. Das schafft Gespräche auf Augenhöhe, die manchmal wirklich hilfreich sind."