Werde jetzt Teil der großen Community von Formel1.de auf Facebook, diskutiere mit tausenden Fans über die Formel 1 und bleibe auf dem Laufenden!
Tsunoda landet hinter Lawson: "Damit habe ich nicht gerechnet"
Yuki Tsunodas erstes Qualifying für Red Bull hatte gute Ansätze, am Ende war er aber trotzdem der Langsamste der vier Bullen-Fahrer - Steiler Heckflügel schuld?
(Motorsport-Total.com) - Viel wurde im Vorfeld über die Beförderung von Yuki Tsunoda zu Red Bull gesprochen. Würde er es besser machen als sein Vorgänger Liam Lawson? Oder zerbricht er gar an dem Druck, bei seinem Heimspiel in Japan das Unmögliche möglich machen zu sollen und mit Max Verstappen mitzuhalten?
Die Realität ist ein bisschen von beidem. Ja, Tsunoda hat sich in seinem ersten Qualifying besser angestellt als Lawson, der in drei Versuchen - inklusive Sprint - nicht über Startplatz 18 rausgekommen war. Der Japaner schaffte es über Q1 hinaus und war dabei sogar auf 0,024 Sekunden an Verstappen dran.
Dann hört es mit den positiven Neuigkeiten aber schon auf. Denn während Max Verstappen sensationell zur Poleposition fuhr, beendete Tsunoda Q2 auf dem letzten Platz - und das mit dem anscheinend üblichen Abstand von einer halben Sekunde auf das Schwesterauto. Noch bitterer: Selbst Lawson in Tsunodas eigentlichem Racing-Bulls-Cockpit war schneller.
"Es ist wirklich schade", ärgert sich der Japaner. "Mit dem heutigen Ergebnis habe ich nicht gerechnet, um ehrlich zu sein."
Es gab nicht wenige, die im Vorfeld erwartet hatten, dass es Tsunoda genauso schwer haben würde wie seine Vorgänger, weil der RB21 ein spezielles Auto ist, mit dem nur Verstappen klarzukommen scheint. Auch Tsunoda hatte sich am Freitag gewundert, dass das Auto in der Realität ganz anders zu fahren sei als im Simulator.
"Es ist ziemlich schwierig, dieses Auto richtig zu fahren", gibt er zu und meint, dass der Bolide nur ein ziemlich schmales Arbeitsfenster hat - auch etwas, das seine Vorgänger immer wieder betont hatten. "Das Warm-up muss fast perfekt sein, vor allem das Aufwärmen der Reifen", sagt er.
Das habe er in seinem entscheidenden zweiten Q2-Versuch aber nicht so hinbringen können wie zuvor, "und das hat letztlich den Unterschied gemacht", meint der Japaner. "Das habe ich erst in Q2 so richtig erkannt - aber da war's schon zu spät. Es ist schade, dass ich es nicht zusammenbringen konnte, als es darauf ankam."
Steilerer Heckflügel als Verstappen
Womöglich war der Unterschied zu Verstappen auch dem Set-up geschuldet. Denn während der Niederländer auf hohen Topspeed setzte, war Tsunoda mit einem steileren Heckflügel und mehr Abtrieb unterwegs. Das heißt, er hatte Vorteile in den Kurven, während Verstappen eher auf den Geraden schneller war.
Verstappen hat aber das Talent, die fehlende Geschwindigkeit in den Kurven wieder auszugleichen, auch wenn er dabei enorm am und teilweise über dem Limit fährt. "Das ist vielleicht der einzige Weg, diese eine besondere Runde hinzubekommen", meint Ex-Pilot Jacques Villeneuve bei Sky.
Tsunoda blieb hingegen bei dem etwas steileren Set-up des Morgens. "Klar, das Heck rutscht ein wenig, aber gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass genau diese Abstimmung der Weg ist, wie ich das Auto gut fahren kann", erklärt der Japaner seine Entscheidung, die laut ihm aber nicht ausschlaggebend für das Q2-Aus war.
"Es gab heute trotzdem die Pace, um ins Q3 zu kommen - wenn man sich die Zeiten aus Q1 anschaut. Es wäre also möglich gewesen", sagt er. Das bestätigt auch Red Bulls Motorsportkonsulent Helmut Marko: "Yuki hätte auch den Speed gehabt", sagt er im ORF.
Fehler in Kurve 2 kostet Q3-Chance
Doch dann kommt das Aber: "Er hat leider einen Fehler in Kurve 1 gehabt und dann noch einen. Sonst hätte er es auch geschafft."
Und das ist der vielleicht größte Knackpunkt im Qualifying des Lokalmatadoren. Schon in Kurve 2 verlor er den RB21 aus der Kontrolle und musste ihn erst wieder einfangen. "Und wenn du erst mal drei, vier Zehntel verlierst, holst du die hier nicht mehr zurück", weiß Teamchef Christian Horner.
"Es ist schade, denn das Qualifying spiegelt nicht wider, was für einen guten Job er bis zu diesem Punkt gemacht hat."
"Ich muss mir anschauen, was da genau passiert ist", sagt Tsunoda selbst zu seinem Fehler. Denn eigentlich sah er sich bis dahin auf einem guten Kurs und dachte, am Ende von Q2 würde er das ganze Handbuch des Red Bull gelesen haben - im übertragenen Sinn.
Tsunoda betont: "Weiß, was ich zu tun habe!"
Bis dahin hatte sich Tsunoda im Auto eingelebt und nach Q1 auch das Vertrauen ins Auto gehabt, wie er meint. "Aber in Q2 kam plötzlich etwas, womit ich nicht gerechnet habe. Und das war neu für mich", so Tsunoda. "Wenn ich noch eine Runde gehabt hätte, wäre es sicher anders gelaufen. Aber so ist es nun mal - man muss es auf den Punkt bringen, wenn es zählt."
"Aber das Positive ist, dass ich das Auto besser verstehe", sagt er weiter. "Zumindest fühle ich mich im Auto sicher. Und ich weiß, was ich künftig zu tun habe, denke ich."
Und das will er morgen im Rennen dann umsetzen - allerdings mit der nötigen Geduld. "Es ist nicht unmöglich", stellt er klar. "Die letzten beiden Tage haben mir gezeigt: Wenn ich mehr lerne und mich besser mit dem Auto synchronisiere, kann ich viel konstanter fahren. Und das ist wichtig. Es wird ein interessantes Rennen - ob mit Regen oder nicht."