• 05. April 2025 · 09:20 Uhr

Suzuka-Quali: Verstappens "irre" Pole & Hadjars Sache mit den "Gogerln"

Suzuka steht Kopf: Verstappen holt Pole für Honda mit einer Runde für die Ewigkeit, schlägt die starken McLaren-Fahrer und tröstet über Tsunodas Q2-Aus hinweg

(Motorsport-Total.com) - Max Verstappen hat sich am Samstagnachmittag in Suzuka überraschend die Poleposition für den Grand Prix von Japan 2025 gesichert - zum vierten Mal hintereinander, und dennoch sensationell, wenn man die dominante Performance von McLaren in den Freien Trainings bedenkt, in denen Verstappen noch über das schwierige Handling seines RB21 geklagt hatte.

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Max Verstappen fuhr völlig überraschend zur Pole beim Grand Prix von Japan in Suzuka Zoom Download

"Das ist verrückt", staunte sein Renningenieur Gianpiero Lambiase. Selbst Teamchef Christian Horner schwärmte: "Wow, was für eine Runde! Das war Weltklasse, Kumpel!" Und auch Verstappen selbst reagierte für seine Verhältnisse ungewöhnlich ausgelassen und schrie in den Boxenfunk: "Was für eine Runde!"

Am Ende hatte er 0,012 Sekunden Vorsprung auf Topfavorit Lando Norris (McLaren), der drauf und dran war, in Suzuka die erste McLaren-Pole seit Gerhard Berger 1991 zu erobern. Norris hatte seine erste Runde in Q3 vermasselt und lag mit 0,467 Sekunden Rückstand auf Piastri zunächst nur an fünfter Position. Doch seine zweite Runde war deutlich besser und spülte ihn an die Spitze - bis Verstappen kam.

Das Publikum in Suzuka jubelte frenetisch über die Pole des heimischen Motorenherstellers Honda, und ORF-Kommentator Ernst Hausleitner brandmarkte Verstappens Runde gar als "Meisterwerk". Norris meinte anerkennend: "Wenn einer so eine gute Runde fährt, muss man das akzeptieren. Ich bin trotzdem sehr glücklich. Das war das Limit dessen, was für uns möglich war."

Verstappen gibt im Nachhinein zu: "Ich bin überrascht. Die Balance war in den Trainings nicht gut, wurde aber immer besser. Und die letzte Runde war einfach Vollgas. Auf einer Strecke wie dieser besonders befriedigend."

Helmut Marko schwärmt von einer "unglaublichen" Runde: "So etwas kann nur Max." Und tatsächlich war die Runde am Limit: "In einigen Kurven war ich mir nicht sicher, ob das Auto auf der Strecke hält", erklärt Verstappen. "Ich hatte schon ein paar richtig gute Poles. Aber wenn man bedenkt, wie die Saison begonnen hat, und sogar dieses Wochenende, dann kommt das ziemlich unerwartet. Und das macht es schon besonders."

Oscar Piastri (McLaren) sicherte sich Platz 3, 0,044 Sekunden hinter Verstappen. Alle anderen waren im Qualifying Statisten. Charles Leclerc auf Rang 4 hatte schon 0,316 Sekunden Rückstand und spielte im Kampf um die Pole keine echte Rolle. Dahinter reihten sich die beiden Mercedes-Fahrer George Russell ("Bin enttäuscht, aber es könnte schlimmer sein") und Andrea Kimi Antonelli ("Im Freien Training war ich noch völlig verloren") in der dritten Startreihe ein, mit 0,335 beziehungsweise 0,572 Sekunden Rückstand.

Isack Hadjar (Racing Bulls), Lewis Hamilton (Ferrari), Alexander Albon (Williams) und Oliver Bearman (Haas) rundeten die Top 10 ab. Hamilton führt sein Abschneiden darauf zurück, dass er "mit dem Set-up in eine andere Richtung gegangen" sei als Leclerc: "Ich hatte starkes Untersteuern, und das bekamen wir im Qualifying nicht mehr raus." Aber Leclerc fürchtet: "Ich glaube nicht an Glück. Ich glaube, das ist im Moment einfach unsere Position."

Yuki Tsunoda, in Suzuka erstmals als Nachfolger für Liam Lawson bei Red Bull Racing am Start, lieferte in den Freien Trainings eine grundsolide Vorstellung ab. Als es in Q2 drauf ankam, brachte er die Leistung jedoch nicht auf den Punkt. Der Japaner schied vor heimischem Publikum als 15. frühzeitig aus.

Nico Hülkenberg (Sauber) scheiterte wegen eines Fahrfehlers bereits in Q1, gewann aber immerhin das interne Stallduell gegen Gabriel Bortoleto knapp. Hülkenberg wurde 16., Bortoleto 17.

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Wie lief das Duell Verstappen vs. Tsunoda?

In Q1 bestätigte Tsunoda seine starken Trainingsleistungen - zumindest im Vergleich zu seinen Vorgängern. Nach der ersten Runde hatte er 0,294 Sekunden Rückstand - also ziemlich genau die drei Zehntelsekunden, die sich Helmut Marko üblicherweise von Red Bulls Nummer 2 erhofft. Mit seiner zweiten Q1-Runde verkürzte Tsunoda den Abstand sogar auf 0,024 Sekunden.

Auch wenn Verstappen am Funk über die "immer noch gleichen Probleme" meckerte: "Die Reifen bauen vorne keinen Grip auf." Das hatte Marko im Interview mit dem ORF übrigens schon vor Beginn des Qualifyings befürchtet: "Die Probleme sind massiv. Wir sind gut eine halbe Sekunde hinten. Da ist keine Balance im Auto. Es wurden jetzt massive Umbauten durchgeführt, und da können wir nur hoffen, dass die eine Verbesserung bringen."

Nach der ersten Q2-Runde war der Abstand etwas größer. Verstappen hatte sich auf 1:27.502 Minuten gesteigert und war jetzt um 0,652 Sekunden schneller als Tsunoda. Das war allerdings leicht verzerrt, weil Tsunoda seinen zweiten Reifensatz schon am Ende von Q1 verballert hatte und daher die erste Runde in Q2 zunächst mit gebrauchten Pirellis fuhr.

Eine Fehlentscheidung, wie ORF-Experte Alexander Wurz findet: "Warum gehen die nicht mit neuen Reifen in Q2 hinein? Das passiert immer wieder, wenn die glauben, dass sie mit einem Satz durchkommen. Dafür musst du schon richtig gestanden sein, und ich verstehe nicht, warum sie das einem jungen Fahrer antun."

Denn: Tsunodas zweite Q2-Runde war dann nicht optimal, insbesondere im ersten Sektor. Ihm fehlten am Ende 0,498 Sekunden auf Verstappen (P3) und 0,217 Sekunden auf Albons zehnten Platz. Besonders bitter: Sein Vorgänger bei Red Bull Racing, Liam Lawson, war als 14. sogar um 0,094 Sekunden schneller als er. Also Aus in Q2, nach einem bis dahin starken Wochenende.

Tsunoda schämt sich dafür, dass er seinen japanischen Fans nicht mehr bieten konnte: "Ich hatte mir heute mehr erwartet. Ich bin enttäuscht. Es lag am Warm-up der Reifen, schätze ich. Ich hatte in Q2 auch einen Windstoß, ein paar unerwartete Momente. Das Auto ist ziemlich spitz zu fahren. Aber zumindest in Q1 war die Pace da. Das zeigt mir, dass es nicht unmöglich ist."

Marko glaubt trotzdem, dass der Fahrertausch nach nur zwei Rennwochenenden richtig war, denn: "Yuki hätte auch den Speed gehabt. Der hat leider einen Fehler in Kurve 1 und dann noch einen gehabt. Sonst hätte er es auch geschafft."

Zumal der RB21 in Suzuka ein schwierig zu bändigendes Biest ist. Verstappen steht zwar auf Pole, gibt aber zu: "Auf eine Runde, mit wenig Sprit, kannst du einiges kaschieren. Aber ich habe immer noch nicht das beste Gefühl im Auto. So eine Runde kriegst du ganz selten ohne Fehler hin. Heute hat es geklappt."

Auch Marko bestätigt, dass man eigentlich "nicht wettbewerbsfähig" sei, aber mit dem Set-up vor dem Qualifying "etwas riskiert" habe - "Gott sei Dank in die richtige Richtung. Wir waren in allen Trainings mindestens eine halbe Sekunde hinten, hätten uns das nie gedacht. Und wir wussten nicht, woran es liegt. Das Auto reagierte fast nicht, oder es reagierte anders. Und dann plötzlich hat es doch gepasst."

Zumindest für einen der beiden Fahrer.

Hadjars "Gogerl": Was meint Alexander Wurz damit?

Isack Hadjar hatte schon im dritten Freien Training über ein Problem mit seinem Sitzgurt geklagt. Im Qualifying schien ihn das weiter zu beschäftigen. Gleich in Q1 meldete er sich mehrmals mit lauter Stimme am Boxenfunk: "Kumpel, ich weiß nicht, was mit mir los ist, Mann. Ich meine, ich kann mich einfach nicht konzentrieren. Da ist so viel Rundenzeit, die ich finden könnte, aber es ist so einfach nicht fahrbar."

Später legte er nach: "Wenn es das ist, was unser Qualifying ruiniert, dann möchte ich nur, dass ihr wisst, dass es mir wirklich leidtut", sagte er, und noch einmal später: "Das Problem ist immer noch da. Ich kann's nicht glauben, kann's nicht glauben."

Was das "Problem" war, erklärt am besten ein ehemaliger Formel-1-Fahrer, der sich mit solchen Themen auskennt: "Dem hat es die Gogerl eingezwickt", hält Wurz im österreichischen Fernsehen staubtrocken fest.

Dazu muss man wissen: "Gogerl" wird in Teilen Österreichs und Bayerns als umgangssprachliche Bezeichnung für die Hoden verwendet. ChatGPT schreibt dazu: "Diese Bedeutung ist in der Regel nicht derb oder vulgär gemeint, sondern wird im familiären, kindlichen oder humorvollen Kontext verwendet, vergleichbar mit anderen regionalen Verniedlichungen für Körperteile."

Hadjar ließ sich von den Problemen mit seinen "Gogerln" aber nicht aus der Fassung bringen und zog sogar in Q3 ein. Als zweitbester der vier Red-Bull-Piloten, mit neunbester Zeit in Q2 (0,629 Sekunden hinter Norris' Bestzeit).

"Es war ein Albtraum. Ich habe einfach die Zähne zusammengebissen", berichtet er. "Einmal wäre ich fast gecrasht deswegen." Zum Lachen brachte ihn nach dem Qualifying immerhin die Frage von Ex-Rennfahrerin Naomi Schiff im Sky-Interview, wann er das "Problem" realisiert habe - weil sie so etwas in ihrer eigenen Karriere nie erlebt habe ...

Wie viel hat Hülkenberg auf Q2 gefehlt?

In der spannenden Q1-Schlussphase lagen gerade einmal 0,068 Sekunden zwischen Lawson auf Platz 15 und Bortoleto auf Rang 17. Dazwischen lag noch Hülkenberg, dem am Ende nur 0,016 Sekunden auf den Top-15-Cut fehlten. Ein paar Sekunden vor Schluss lag der einzige Deutsche im Feld noch auf dem rettenden 15. Platz. Doch Lawson zog mit seiner allerletzten Runde in allerletzter Sekunde den Hals aus der Schlinge.

"Die Out-Lap-Vorbereitung war nicht perfekt", ärgerte sich Hülkenberg am Boxenfunk. Er habe auch wegen anderer Fahrzeuge die Reifentemperatur nicht genau so hingekriegt, wie er sich das vorgestellt hatte. Möglicherweise lag's aber auch an einem Slide in Degner 2. "Das war zu viel des Guten", analysiert Wurz. "Da hat er Rundenzeit liegen lassen."

Hülkenberg gibt zu: "Im Vergleich zu gestern ist das Auto einfach ein bisschen zickiger und schwieriger zu fahren. In Kurve 9 hatte ich einen kleinen Quersteher drin am Ausgang. Das macht am Ende den ganzen Unterschied aus." Zudem sei man mit der Out-Lap "spät dran" gewesen: "Die war recht hektisch mit schnellen Autos, die vorbeikommen, wo man Platz machen muss. Man kann seine Reifen nicht ganz so optimal anfahren. Ich würde es jetzt nicht darauf schieben. Aber es war auch nicht ganz perfekt."

Neben den beiden Sauber-Fahrern schieden in Q1 auch Esteban Ocon (Haas), Jack Doohan (Alpine) und Lance Stroll (Aston Martin) aus. Stroll übrigens ebenfalls mit einem Fahrfehler, der vom Zeitlupen-Replay entlarvt wurde.

Wie ging es in Q2 weiter?

Neben Lawson und Tsunoda schieden auch Pierre Gasly (Alpine), Carlos Sainz (Williams) und Fernando Alonso (Aston Martin) im zweiten Segment aus. Sainz droht übrigens noch ein Nachspiel: Er stand Hamilton im Weg und muss sich wegen Behinderung vor den Rennkommissaren verantworten. Hamilton hatte die beiden Williams-Fahrer am Boxenfunk verwechselt: "Scheiße. Albon hat mich in Kurve 1 rein aufgehalten." (Ausgang der Untersuchung im Formel-1-Liveticker verfolgen!)

Gab es wieder Rasenbrände?

Nach den Rasenbränden im zweiten und dritten Freien Training hatte die Streckensicherung in Suzuka versucht, mit Eimern möglichst viel Wasser zu verteilen, um weitere Rasenbrände zu verhindern. Das klappte in Q1, doch 8:26 Minuten vor Ende von Q2 gab es wieder eine rote Flagge.

Diesmal brannte es innen im Bereich der 130R-Kurve. Kein Zufall: Die Anfahrt zur 130R und die Kurve selbst ist eine der schnellsten Passagen der Strecke, was Funkenschlag seitens der Titanelemente des Unterbodens begünstigt. Vermutlich waren es von den Autos wegfliegende Funken, die immer wieder für kleine Brände gesorgt haben. Diese waren zu keinem Zeitpunkt wirklich gefährlich für die Fahrer oder Zuschauer, mussten aber natürlich trotzdem rasch gelöscht werden.

Immerhin ist der Ausblick für das Rennen am Sonntag besser. Für Samstagnacht ist Regen angesagt. Das sollte das präventive Einfeuchten des Rasens effektiver erledigen als die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Streckensicherung, die mit ihren Eimern gegen die Trockenheit auf verlorenem Posten standen. Allen Bemühungen zum Trotz.

Wo kann man den Grand Prix von Japan live sehen?

Ganz egal, ob ihr die Sessions zu nachtschlafender Zeit in Deutschland gesehen oder sie verschlafen habt: Auf dem YouTube-Kanal von Formel1.de (Jetzt kostenlos abonnieren!) gibt's jeden Tag die F1-Show mit der Zusammenfassung und Analyse der Ereignisse in Suzuka. Die Livestreams sind jeweils für 14 Uhr deutscher Zeit geplant und finden am Samstag und Sonntag mit Kevin Scheuren und Christian Nimmervoll statt.


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In Österreich wird das Rennwochenende diesmal vom ORF gezeigt. Im deutschen Free-TV wird der Grand Prix von Japan hingegen nicht übertragen. Der Pay-TV-Sender Sky zeigt das Rennen am Sonntag um 7:00 Uhr. Vorberichte mit Experte Ralf Schumacher gibt es bereits ab 6:00 Uhr. (Hier geht's zur TV-Übersicht für den Grand Prix von Japan 2025!)

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