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Yuki Tsunoda: RB21 verhält sich "anders als am Simulator"
Die Bilanz von Yuki Tsunodas erstem Tag als Red-Bull-Fahrer: Wenig Daten durch rote Flaggen und etwas Erstaunen über das Fahrverhalten des RB21
(Motorsport-Total.com) - Wie gut war der Einstieg von Yuki Tsunoda bei Red Bull? Das ist nach dem Trainingsfreitag in Suzuka nur schwierig zu bewerten. Im ersten Training am Morgen war er auf eine Zehntelsekunde an Teamkollege Max Verstappen dran, doch im zweiten Training war er als 18. deutlich hinter dem Niederländer (8.) - allerdings um zwei Sekunden.
Das zeigt, dass die Zeiten der Nachmittagssession nicht zu bewerten sind, denn Tsunoda bekam aufgrund der roten Flaggen keinen echten schnellen Versuch. "Er hat leider Pech gehabt", meint sein früherer Teamchef Franz Tost im ORF.
Denn Tsunoda war gerade mit weichen Reifen draußen, als Fernando Alonso seinen Aston Martin im Kies geparkt hatte. "Danach ist er dann nicht mehr mit dem weichen Reifen rausgefahren, sondern hat gleich eine Rennsimulation gemacht", so Tost, der seinem Schützling dennoch eine Menge am Wochenende zutraut: "Ich bin davon überzeugt, dass Yuki da gut dabei sein wird", sagt er.
Der Japaner selbst fand seinen Tag laut eigener Aussage "in Ordnung, aber es hätte besser laufen können". Gerne hätte er im zweiten Training etwas mehr Fahrzeit bekommen, was aufgrund von vier roten Flaggen aber nicht möglich war."Insgesamt ist es aber okay, und ich bin froh, Vertrauen ins Auto zu haben", sagt er.
Was ihm dabei allerdings aufgefallen ist: "Das Auto fühlt sich etwas anders an, als ich es im Simulator erlebt habe" - und das stärker als erwartet. Tsunoda hatte damit gerechnet, dass sich der Red Bull in echt etwas mehr wie im Simulator fahren lässt. "Aber in der Realität ist alles noch ausgeprägter", sagt er.
Anders als die Realität
Das Stichwort dabei ist "fühlen", denn selbst der ausgeklügeltste Simulator kann nur ein gewisses Maß an Fahrgefühl vermitteln - g-Kräfte, abgesehen von denen, die durch starke Richtungswechsel entstehen, können nicht realistisch nachgebildet werden.
Hinzu kommt: Wäre Red Bull in der Lage, die Nervosität des RB21-Hecks beim Einlenken in den Simulator zu übertragen, wäre das Team bereits auf einem guten Weg, dieses Problem am realen Auto zu lösen.
Darüber hinaus brachte Red Bull drei kleinere aerodynamische Updates, um den Luftstrom am Heck zu optimieren: eine überarbeitete Motorabdeckung mit angepasstem Kühlungsauslass, eine vergrößerte Öffnung an den hinteren Bremsbelüftungen und eine neue Verkleidung der hinteren Querlenker.
Solche Änderungen müssen nun dokumentiert werden, und Red Bulls Erklärung war, dass die Modifikationen an Motorabdeckung und Bremsbelüftungen hauptsächlich der Zuverlässigkeit dienten - allerdings können solche Anpassungen durchaus auch Auswirkungen auf die Performance haben.
Was "verformt" sich am Red Bull?
Am Ende von FT1 meldete sich Tsunoda per Funk und bezeichnete das Auto als "interessant". Er äußerte sich jedoch nicht wie Verstappen, der sagte, er habe das Gefühl, dass sein RB21 sich im zweiten Sektor "verformt" - also in jenem Abschnitt, der an den Degner-Kurven beginnt und bis zur Mitte der Gegengeraden reicht.
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Natürlich muss das Auto nicht tatsächlich nachgeben, sondern könnte lediglich ein ähnliches Fahrgefühl erzeugen - insbesondere in der zweiten Degner-Kurve, der Haarnadel und der Spoon-Kurve, wo sich das Umschlagen von Untersteuern zu Übersteuern im RB21 besonders bemerkbar macht.
Möglicherweise wollte Max dieses Fahrgefühl einfach so anschaulich wie möglich beschreiben. Als Neuling wollte Tsunoda das Auto an seinem ersten Tag wohl nicht allzu kritisch bewerten. Und letztlich - wie Liam Lawson schmerzlich erfahren musste - ist es, wie es ist.
Verstappen: "Noch Arbeit vor mir"
Lob bekommt Tsunoda von seinem neuen Teamkollegen Max Verstappen: "Ich denke, Yuki hat heute einen wirklich guten Start hingelegt, obwohl FT1 und FT2 für alle sehr chaotisch waren", sagt der Niederländer, der als Achter 0,556 Sekunden Rückstand auf die Spitze hatte.
"Natürlich war es für alle ziemlich chaotisch da draußen mit den roten Flaggen, sodass wir - wie alle anderen auch - unser geplantes Programm nicht vollständig absolvieren konnten. Das machte den Tag für uns ziemlich schwierig, da wir verschiedene Dinge am Auto ausprobiert haben und vieles nicht so funktioniert hat, wie wir es uns gewünscht hätten", so Verstappen.
"Es ist ziemlich schwer, eine gute Runde zusammenzubringen: Man braucht hier viel Vertrauen und Entschlossenheit, und im Moment habe ich das Gefühl, dass ich noch etwas Arbeit vor mir habe", sagt er.
Red Bull in Suzuka nur vierte Kraft?
Auch die Longruns sahen wenig erbaulich aus: Sowohl auf eine schnelle Runde als auch in den Longruns scheint man nur die vierte Kraft zu sein, wenn überhaupt. Denn die Daten legen nahe, dass das Schwesterteam Racing Bulls auf eine schnelle Runde besser zu sein scheint und im Longrun nahezu auf Augenhöhe mit Verstappen fährt.
In den Longruns des ersten Trainings fehlten Verstappen reifenbereinigt ganze 0,92 Sekunden pro Runde auf Norris im McLaren. Damit war unter anderem auch Carlos Sainz im Williams (+0,67) schneller. Die Pace von Neu-Teamkollege Yuki Tsunoda war aber noch erschreckender. Tatsächlich war in den Longruns des ersten Freien Trainings kein Pilot langsamer als der Japaner. Im Schnitt fehlten 1,52 Sekunden pro Runde.
Aber: Tsunoda scheint in Sachen Pace damit näher an Verstappen dran zu sein als Liam Lawson. Tsunoda fehlten im Longrun genau sechs Zehntel auf den Niederländer, während Lawson in Sachen Rennpace in den ersten beiden Saisonrennen über eine Sekunde pro Runde langsamer war. Tsunodas erster Rückstand ist damit ziemlich vergleichbar zu dem, was Sergio Perez in der Vorsaison zeigte.
Verstappen selbst möchte die Daten nicht überbewerten: "Ich war auf dem weichen Reifen unterwegs, der viel Management erfordert und den man nicht wirklich pushen kann. Am Ende hatte ich nur etwa drei Runden, die keine wirklich aussagekräftigen Daten geliefert haben", sagt er.
"Hoffentlich können wir morgen in FT3 einen etwas längeren Run hinlegen, aber insgesamt war es kein einfacher Tag."