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Longruns Japan: Red Bull sackt ins Mittelfeld ab, McLaren unschlagbar?
McLaren dominiert die Longruns der Formel 1 in Japan, während Red Bull ins Mittelfeld abrutscht - Mercedes und Ferrari kämpfen um den Anschluss
(Motorsport-Total.com) - Dass McLaren in Suzuka stark sein würde, konnte man bereits vor dem Rennwochenende erwarten. Doch die Performance von Lando Norris und Oscar Piastri hat selbst hohe Erwartungen übertroffen: Sowohl auf eine schnelle Runde als auch im Longrun mit vollem Tank setzte das Team ein klares Ausrufezeichen.
Aufgrund der vier roten Flaggen im zweiten Freien Training sind die dort gesammelten Daten jedoch mit Vorsicht zu genießen. Daher bietet ein Blick auf die Longruns aus dem ersten Training eine bessere Vergleichbarkeit - und hier war Norris laut unserem Technologiepartner PACETEQ der Schnellste. Besonders beeindruckend: Seine Pace kombinierte er mit einen geringem Reifenverschleiß.
Knapp hinter Norris reihten sich die Aston Martins von Fernando Alonso (+0,05) und Lance Stroll (+0,17) ein - allerdings mit einem Haken. Die Stintlänge war kurz, und der Verschleiß bereits auffallend hoch. Wäre der Longrun länger gewesen, wäre der Rückstand auf McLaren wohl deutlich größer ausgefallen. Dennoch zeigte sich das Auto konkurrenzfähig, auch in Strolls Longrun aus dem zweiten Training.
Ebenfalls positiv überraschte Nico Hülkenberg (+0,17) im Sauber. Seine Performance war vergleichbar mit der von Aston Martin: Schnell, aber mit fragwürdigem Reifenmanagement und erheblichen Zweifeln, ob der Sauber wirklich so schnell ist. Oscar Piastri (+0,20) rundete die Top-5 im Longrun-Ranking ab.
Mercedes und Ferrari solide, Red Bull abgeschlagen
Betrachtet man nur Teams mit stabileren Longrun-Daten, dann ist George Russell (+0,32) im Mercedes der erste ernsthafte Verfolger von McLaren. Im zweiten Freien Training war er sogar der Schnellste - allerdings fuhren die McLaren-Piloten dort keine Longruns, sondern konzentrierten sich auf Qualifying-Simulationen.
Ferrari folgt mit einem Rückstand von durchschnittlich 0,40 Sekunden pro Runde und zeigte sich in puncto Reifenmanagement etwas konstanter als Mercedes. Allerdings fehlte Lewis Hamilton im Longrun des zweiten Trainings fast eine halbe Sekunde pro Runde auf Russell. Zudem lag Ferrari beim Topspeed hinter McLaren und Mercedes zurück.
Dramatisch sieht es bei Red Bull aus. Weder auf eine schnelle Runde noch in den Longruns konnte das Team überzeugen. Tatsächlich könnte Racing Bulls, das Schwesterteam, Red Bull im Qualifying sogar schlagen. In den Longruns des ersten Trainings lag Verstappen mit reifenbereinigten 0,92 Sekunden pro Runde hinter Norris. Sogar Carlos Sainz im Williams (+0,67) war schneller. Besonders bitter: Kein Fahrer war langsamer als sein Red-Bull-Teamkollege Yuki Tsunoda, der im Schnitt 1,52 Sekunden pro Runde auf die Spitze verlor.
Racing Bulls vor Red Bull?
Auffallend: Die Racing Bulls-Piloten Liam Lawson und Isack Hadjar waren in den Longruns rund drei Zehntel pro Runde schneller als Tsunoda und nur zwei Zehntel langsamer als Verstappen. Im zweiten Freien Training war Racing Bulls sogar im Schnitt schneller als Red Bull - auch wenn die geringe Rundenanzahl direkte Vergleiche erschwert.
Eine kleine Hoffnung bleibt Red Bull dennoch: Tsunodas Rückstand auf Verstappen betrug sechs Zehntel - ein Wert, der vergleichbar mit Sergio Perez in der Vorsaison ist. Lawson fehlte bei der Rennpace zuvor über eine Sekunde auf Verstappen. Zudem ist bekannt, dass Racing Bulls vor allem im Qualifying stark ist, während die Rennpace eine andere Geschichte sein könnte.
Mittelfeld extrem eng - hat Aston Martin den Durchbruch geschafft?
Im dichten Mittelfeld ist eine klare Rangfolge schwer zu bestimmen. Aston Martin und Hülkenberg starteten ihre Longruns mit hohem Tempo, was auf Kosten des Reifenverschleißes ging. Da ihre Stints jedoch kurz waren, zeigte sich der Nachteil noch nicht in den Gesamtzeiten.
Den ersten Erkenntnissen zufolge hat Aston Martin eine gute Chance, in Japan "Best of the Rest" zu sein - zumindest in der Rennpace. Dahinter liefern sich Williams, Alpine, Sauber und Racing Bulls ein enges Duell, wobei Racing Bulls im Qualifying Vorteile haben dürfte.
Haas bleibt ein großes Fragezeichen: Im ersten Training absolvierte das Team keine Longruns, und im zweiten gab es lediglich eine aussagekräftige Runde von Esteban Ocon. Insgesamt scheint Haas schwächer als in China, aber besser als in Australien.
Neuer Asphalt könnte für Einstoppstrategie sorgen
Der Suzuka International Racing Course wurde an mehreren Stellen neu asphaltiert, insbesondere im ersten Sektor, der für seinen hohen Reifenverschleiß bekannt ist. Die Daten der Longruns zeigen: Der Verschleiß ist im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesunken. Während 2024 der durchschnittliche Verschleiß bei 0,121 Sekunden pro Runde lag, betrug er in den Longruns des ersten Trainings nur 0,095 Sekunden pro Runde.
Da der Verschleiß im Rennen aufgrund der besser werdenden Strecke in der Regel noch geringer ausfällt als in den Trainings, könnte dies eine Einstoppstrategie ermöglichen. In den letzten beiden Jahren setzte sich jedoch die Zweistoppstrategie (Medium-Medium-Hard) durch.
Laut Simulationen der PACETEQ-Strategiesoftware OneTiming wäre die Einstoppstrategie (Medium-Hard) aktuell etwa acht Sekunden schneller als die schnellste Zweistoppstrategie. Pirelli-Chefingenieur Simone Berra erklärt zudem: "Der heutige Reifenverschleiß war geringer als erwartet, was darauf hindeutet, dass eine Einstoppstrategie durchaus konkurrenzfähig sein könnte. Allerdings müssen wir auch das Wetter im Auge behalten, da für die Nacht von Samstag auf Sonntag Regen vorhergesagt ist."