• 03. April 2025 · 12:22 Uhr

Yuki Tsunoda: Der RB21 ist spitz zu fahren, aber wo ist das große Problem?

Japan hat einen neuen Superstar: Obwohl ihm Experten einen schwierigen Einstand prophezeien, versteht Yuki Tsunoda nicht, was am RB21 so knifflig sein soll

(Motorsport-Total.com) - Yuki Tsunoda wirkt mit seinen 1,61 Metern "Größe" ziemlich unscheinbar. Doch in den vergangenen zwei Wochen hat er in der Formel 1 die Schlagzeilen bestimmt. Der Wechsel von den Racing Bulls zu Red Bull Racing, ausgerechnet vor dem Honda-Heim-Grand-Prix im japanischen Suzuka, macht ihn zumindest im Vorfeld des Rennwochenendes zum absoluten Superstar.

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Yuki Tsunoda fühlt sich wohl im (zumindest in Suzuka weißen) Red-Bull-Overall Zoom Download

Und Tsunoda lässt sich nicht irritieren von Ansagen zahlreicher Experten, die ihm als Lawson-Ersatz ein Fiasko prophezeien. Ralf Schumacher etwa meinte unmittelbar nach Liam Lawsons (vorerst?) letztem Rennen in Red Bulls A-Team, mit diesem Wechsel "verbrennt man gleich zwei Fahrer", und er sagte in einem Interview auf dem YouTube-Kanal von Formel1.de: "Tsunoda kann nur verlieren, wenn er sich bei seinem Heimrennen in den Red Bull setzt."

Doch das Selbstbewusstsein des kleinen Japaners ist offenbar groß genug dafür, solche Einschätzungen wegzulächeln. Zwar sind Tsunoda die extremen Umstände des Fahrerwechsels mitten in der Saison bewusst ("Verrückter als jetzt könnte es wohl nicht sein"), aber seinen ersten Grand Prix auf Red-Bull-Honda ausgerechnet zu Hause in Japan zu fahren, ist für ihn "die absolut beste Situation überhaupt. Ich bin einfach begeistert!"

Haug warnt: Podium "ein Ding der Unmöglichkeit"

Norbert Haug, als langjähriger Mercedes-Sportchef immer noch ein profunder Kenner der Formel 1, ist da weniger euphorisch. Er spricht von einer Situation "wie im Film" und von "maximalem Druck", dem Tsunoda jetzt ausgesetzt ist. Im Interview mit Sky hält er zudem fest, dass für den Red-Bull-Neuling spreche, dass er "zwar den Druck hat, aber er giert da auch drauf und will was zeigen".

Die Formel-1-Fans, die in Suzuka traditionellerweise ein bisschen verrückter sind als sonst wo auf der Welt, träumen jedenfalls schon von einem japanischen Podium. Auch Tsunoda gibt zu, dass er sich schon mal bei dem Gedanken ertappt hat, am Sonntag aufs Treppchen steigen zu dürfen: "Klar denkt man daran. Aber es ist eher ein Traum als ein konkretes Ziel."

Ein Traum, der laut Haug eher nicht wahr werden wird: "Ich glaube, das ist eine schwierige Übung, ganz ehrlich. Ich würde mich wundern, wenn er da wirklich überraschend gut aussehen könnte. Ich habe gelesen, er hat sich vorgenommen, auf dem Podium zu landen. Ich drücke ihm gerne die Daumen dazu. Aber ich glaube, das ist ein Ding der Unmöglichkeit."

Das weiß freilich auch Tsunoda selbst: "Es wird schwierig. Ich erwarte, dass es eine große Herausforderung wird - und nicht so einfach, wie viele vielleicht denken. Ich habe kaum Zeit, mich anzupassen, und das Auto ist auch ein völlig anderes Biest. Mein Ziel ist, Q3 zu erreichen und ein Top-10-Ergebnis zu holen. Dann wäre ich glücklich. An ein Podium denke ich momentan nicht. Aber natürlich würde ich mich freuen, wenn es passiert."

Tsunoda wusste bei seiner Abreise aus Shanghai noch nicht, dass er in Suzuka im Red Bull sitzen würde. Doch angesichts dessen, dass schon am Sonntagabend nach dem Grand Prix von China klar war, dass es zu dem spektakulären Fahrertausch kommen könnte, wurde er in Milton Keynes in den RB21-Simulator gesetzt, um Suzuka zu üben. Da war die Entscheidung zu seinen Gunsten bereits getroffen. Dass der virtuelle Test dann auch noch gut lief, war aus Red-Bull-Sicht erfreulich.

Tsunoda nach Simulator: Was soll daran so kompliziert sein?

Tsunodas erster Eindruck: Der angeblich unfahrbare Red Bull, mit dem in den vergangenen Jahren kein Fahrer konstant so gut zurechtkam wie Max Verstappen, ist seiner Meinung nach gar nicht so unfahrbar. Er zeigt sich unbekümmert: "Man sagt ja oft, dass Red-Bull-Autos eine stark frontlastige Balance haben. Ich persönlich liebe Autos, die aggressiv einlenken, und habe meinen Fahrstil in der Vergangenheit genau auf so ein Set-up angepasst."


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Der VCARB02, mit dem er die Grands Prix von Australien und China bestritten hat, verfüge im Gegensatz dazu über eine etwas schwächere Vorderachse, neige mehr zum Unter- als zum Übersteuern. Ein Fahrverhalten, das Tsunoda bis heute nicht mag: "Anfangs war das eine Herausforderung für mich, aber ich habe mich daran gewöhnt, und es wurde mit der Zeit zur Normalität. Jetzt wird entscheidend sein, mich wieder auf die Charakteristik von Red Bull einzustellen. Aber angesichts meiner bisherigen Erfahrungen mache ich mir da keine großen Sorgen."

Es sind erstaunlich selbstbewusste Sätze, die Tsunoda vor dem Suzuka-Wochenende von sich gibt. Zum Beispiel: "Ich habe diese Schwierigkeit, von der die Fahrer sprechen, noch nicht direkt gespürt." Oder: Der RB21 habe sich beim Simulatortest "nicht wahnsinnig kompliziert" angefühlt - auch wenn ihm klar ist, dass der Simulator "die Schwachstellen eines Autos nie hundertprozentig realistisch nachbilden kann".

Der 24-Jährige hat ein ziemlich klares Bild davon, was die Eigenschaft ist, die Lawson und dessen Vorgänger in die Verzweiflung getrieben hat: "Wenn man mit diesem Auto über etwa 95 Prozent hinausgeht, beginnt man, vorne und hinten ein Rutschen zu spüren. Sobald du einlenkst, merkst du sofort die Grenzen des Autos", erklärt Tsunoda. Das habe er schon bei seinem Abu-Dhabi-Test im RB20 nach Saisonende 2024 festgestellt.

Unbekümmert: "Habe nur ans Frühstück gedacht"

Doch aus der Fassung bringt ihn das alles nicht. In den FIA-Pressekonferenzen hat er ohnehin meistens die Lacher auf seiner Seite. Vor Suzuka meint er dort, er sei "entspannt, genau wie bei VCARB" auch. Es seien andere Themen, die ihm durch den Kopf gehen: "Als ich hier im Fahrerlager angekommen bin, habe ich erstmal nur ans Frühstück gedacht." Ein Running Gag, hat er doch in den vergangenen Jahren immer wieder mit Lausbubengesicht vom tollen Essen in Italien geschwärmt.

Dass ihm Teamchef Christian Horner gesagt hat, "die Hauptpriorität liegt bei Max", kann er "vollkommen verstehen. Immerhin ist er viermaliger Weltmeister und hat auch zuletzt in schwierigen Situationen geliefert. Außerdem soll ich bei der Entwicklung mit Feedback helfen. In Abu Dhabi waren sie sehr zufrieden mit meinem Feedback, und ich soll das fortsetzen. Aber die Hauptaufgabe ist, möglichst nahe an Max dran zu sein. Was sicherlich nicht leicht wird."

Sich Tipps von Verstappen zu holen, hat Tsunoda nicht vor: "Selbst wenn ich ihn fragen würde, glaube ich nicht, dass er mir die volle Wahrheit sagen würde." Was nichts an seiner Zielsetzung ändert: Tsunoda erwartet nicht, "dass ich sofort wie Max fahre. Aber ich bin zuversichtlich, dass ich etwas anderes zeigen kann als andere Fahrer. Sonst hätte ich bei Racing Bulls bleiben können, wo das Auto bereits gut war und ich die Performance verstanden habe. Aber ich wollte eine neue Herausforderung und fühle mich bereit dafür."

Sollte er die Experten überraschen und performen, könnte aus dem Überraschungswechsel ein langfristiges Projekt werden. Red Bull hat noch keinen offensichtlichen zweiten Fahrer für 2026, und Horner sagt im Interview mit Sky: "Yuki steht noch für mehrere Jahre unter Vertrag, wir haben also auch in Zukunft Optionen mit ihm. Aber im Moment liegt unser Fokus auf dem Hier und Jetzt. Er hat sich diese Chance verdient. Jetzt liegt es an ihm, das Beste daraus zu machen."

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