• 14. März 2024 · 09:58 Uhr

Schlechter erster Dschidda-Sektor: Lösung für Mercedes in Sicht?

Mercedes macht ein Grip-Problem für den schlechten ersten Sektor in Dschidda verantwortlich, will das aber nicht durch einfach mehr Abtrieb lösen

(Motorsport-Total.com) - Bei Mercedes haben sich in Saudi-Arabien einige starke Defizite mit dem Auto gezeigt. George Russell und Lewis Hamilton wurden in Dschidda nur Sechster und Neunter und hatten vor allem mit den schnellen Kurven im ersten Sektor zu kämpfen. In den Sektoren zwei und drei war der W15 einigermaßen konkurrenzfähig, doch im ersten Sektor verlor Mercedes eine Menge Zeit.

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Lewis Hamilton musste sich in Dschidda mit beiden McLaren beschäftigen Zoom Download

Das macht der leitende Renningenieur Andrew Shovlin an ein paar Dingen fest. Ein Punkt ist, dass Mercedes in Dschidda keine gute Balance gefunden hat. "Die Mauern sind sehr nah, und gerade in den Kurven brauchen die Fahrer eine Menge Vertrauen ins Auto, aber ziemlich häufig haben wir plötzlich Übersteuern bekommen, wenn sie sich wirklich reingelegt haben", erklärt er.

"Und man kann sich ganz leicht vorstellen, wie unangenehm das für den Fahrer ist", so Shovlin.

Im Qualifying sei zudem das alte Bouncing-Problem aufgetreten. Das war im Rennen jedoch kein großer Faktor, weil das Auto dort zum einen schwerer ist und zum anderen langsamer fährt.

Ein großes Problem war laut Shovlin aber, dass dem W15 einfach der Grip gefehlt hat. "Das ist eine Sache, an der wir hart arbeiten, weil Melbourne ähnliche Kurven hat", sagt er. "Wir stecken eine Menge Arbeit da rein und versuchen zu verstehen, warum wir nicht den Grip haben, den einige unserer Konkurrenten haben."

All das zusammengenommen habe dazu geführt, dass Mercedes im ersten Sektor rund drei bis vier Zehntelsekunden verloren hat. Gleichzeitig betont Shovlin aber, dass Mercedes dafür "eines der schnellten, wenn nicht sogar das schnellste Auto auf den Geraden" war.

Das Team hatte sich für einen flachen Flügel entschieden - ebenfalls ein Grund für die Schwierigkeiten im ersten Sektor. Das bedeutet, dass man theoretisch etwas Performance im zweiten und dritten Sektor opfern könnte, um im ersten Abschnitt schneller zu sein.

"Aber idealerweise möchten wir die behalten und einen Weg herausarbeiten, den ersten Sektor zu verbessern, ohne dass wir mehr Downforce ans Auto packen und dann den Preis dafür auf den Geraden bezahlen", so der Ingenieur.

Gut verteidigt, aber schlecht attackiert

Die schnellen zweiten und dritten Sektoren halfen Hamilton aber auch, sich im Rennverlauf gegen Oscar Piastri zu behaupten, der rund 20 Runden lang vergeblich versuchte, einen Weg am Mercedes vorbei zu finden.

Der Australier war im Gegensatz zu Hamilton während der frühen Safety-Car-Phase an die Box gekommen und lag dann auf frischeren Hards hinter ihm, bis Hamilton in Runde 37 selbst seinen Pflichtstopp ableistete.

"Lewis konnte sich in den letzten beiden Sektoren einen Puffer aufbauen, sodass es für [Piastri] ziemlich schwierig war, nah genug heranzukommen, um ihn zu überholen", erklärt Shovlin.


Dschidda-Strategie: Warum holte Mercedes Hamilton nicht rein?

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Andrew Shovlin erklärt in diesem Video unter anderem, warum Mercedes Lewis Hamilton hinter dem Safety-Car nicht an die Box holte. Weitere Formel-1-Videos

Zwar hatte Piastri auf der Start-Ziel-Geraden immer wieder die Unterstützung von DRS, "aber wenn du nicht auf eine halbe Sekunde rankommst, dann ist es auf dieser Strecke sehr schwierig zu überholen", sagt er und meint, dass Dschidda in Sachen Überholen die drittschwierigste im Kalender sei - auch aufgrund des geringen Reifenabbaus und somit geringen Deltas.

Genau andersherum sei es dann gewesen, als Hamilton nach dem Reifenwechsel keinen Weg an Piastri McLaren-Teamkollegen Lando Norris vorbei fand. Dieser konnte sich im ersten Sektor einen Vorsprung herausfahren, den Hamilton im restlichen Rundenverlauf nicht so stark tilgen konnte, dass er innerhalb dieser magischen halben Sekunde lag.

"Für uns ist die Lösung, besser in Sektor eins zu werden, weil wir dann beim Verteidigen noch besser sein werden, und ich denke, dass wir dann nah genug dran gewesen wären, um zu überholen", sagt Shovlin.

Experimente im Training

Natürlich probierte Mercedes aber wieder unterschiedliche Set-ups an beiden Fahrzeugen aus: "Es ist ziemlich selten, dass beide Autos identisch unterwegs sind", sagt er. Man sei ähnlich in das Wochenende gestartet, doch nach dem Feedback im ersten Training drifteten beide Fahrer in unterschiedliche Richtungen.

Ein Problem war dabei das angesprochene Bouncing, das Mercedes in den Griff bekommen wollte. "Man kann mit der Fahrhöhe spielen, man kann mit der Steifigkeit spielen, und alles scheint effektiv zu sein", erklärt Shovlin.


Fotostrecke: Dschidda: Die Fahrernoten von Marc Surer und der Redaktion

"Und dann haben sie versucht, die Balance im Speed-Bereich feinzutungen. Wie funktioniert das Auto bei Low-Speed? Und wie ist es bei High-Speed?" Die Balance sei aber danach nicht mehr so gut gewesen, sodass Mercedes anfing, wieder in die Anfangsrichtung zu gehen.

"Was wir daraus lernen, ist, dass man Unterschiede nur sehen kann, wenn man etwas ändert. Ein Auto nimmt Veränderungen vor und dann kann man sehen, wie es von Run zu Run performt."

"Ist etwas Fundamentales"

Generell konnte Mercedes aber erkennen, dass beide Autos im Qualifying und Rennen die gleichen Probleme hatten. "Das heißt, dass es kein kleiner Unterschied ist. Es ist kein kleines bisschen Sturz oder eine Federeinstellung hier und da. Es ist etwas Fundamentales, das wir verstehen müssen."


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Zumindest bleibt bis zum nächsten Rennen in Australien etwas Zeit, um die Daten aus Bahrain und Saudi-Arabien zu verarbeiten. "Wir werden dann mit einem Plan kommen, wie wir das Training in Melbourne angehen wollen", sagt Shovlin. "Aber das basiert nicht nur darauf, was wir in Dschidda gemacht haben."

"In der Aerodynamik-Abteilung und der Abteilung für Fahrzeugdynamik wird hart gearbeitet. Wir versuchen, einige Experimente zu designen, die uns hoffentlich eine Richtung geben, die gut für Performance ist."

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