Sainz-Vergleich: Darum findet Jack Doohan, dass die Medien zu hart sind
Jack Doohan hat bei Alpine keinen leichten Einstand erlebt, verweist aber darauf, dass es auch erfahrenen Stars wie Carlos Sainz oder Lewis Hamilton so ergangen ist
(Motorsport-Total.com) - Der Fall Liam Lawson hat es bewiesen: Der Druck auf die junge Garde in der Formel 1 ist enorm, nach gerade mal zwei missglückten Rennen wurde der Neuseeländer bei Red Bull ersetzt. Auch über Alpine-Rookie Jack Doohan hängt gefühlt seit seinen ersten Rennkilometern das Damoklesschwert einer möglichen Ablösung, hat Flavio Briatore doch mit der Verpflichtung von Franco Colapinto schon einen potenziellen Nachfolger in Stellung gebracht.
Eingewöhnungszeit bekomme man in der Formel 1 dieser Tage "ganz sicher nicht", macht sich Doohan deshalb nichts vor, für den der Auftritt am Wochenende in Japan überhaupt erst der vierte Grand-Prix-Start wird - logisch, dass es da noch viel zu lernen gibt. Doch geht es nach dem 22-Jährigen, trifft dieses Schicksal nicht nur auf ihn und die übrigen Neulinge im Feld zu, sondern eigentlich auf jeden Piloten, der über den Winter das Team gewechselt hat:
"Ich finde, das ist ein sehr guter Punkt", erklärt der Australier exemplarisch mit Blick auf Carlos Sainz: "Man sieht es beispielsweise daran, dass Carlos im Qualifying gegen Alex [Albon] um drei oder dreieinhalb Zehntel zurückliegt. Natürlich braucht er Zeit, um das Auto kennenzulernen", sagt Doohan: "Aber wenn ich als Rookie nur eineinhalb Zehntel langsamer als Pierre wäre, gäbe es vermutlich überall Schlagzeilen, dass ich ersetzt werden sollte."
Ob Hamilton oder Sainz: "Es braucht eben Zeit"
Der Alpine-Pilot nennt weitere Beispiele: "Oder nehmen wir Lewis - auch er braucht sechs Monate, um sich mit einem neuen Auto vertraut zu machen." Dabei ist Doohan mit Blick auf die Medien bewusst: "Letztlich geht es darum, Geschichten zu schreiben."
Die Wahrheit sei jedoch bei allen Teams die gleiche: "Fahrer wie Alex oder auch Pierre kennen ihr Auto in- und auswendig, sie sitzen seit drei Jahren darin. Carlos wiederum ist ein extrem talentierter und hoch angesehener Siegfahrer. Aber auch er hat bestimmte Vorlieben, wie er das Auto haben möchte - und wenn das nicht sofort möglich ist, braucht es eben Zeit." Diese "Eingewöhnungsphase" sei völlig normal, zumal dabei wirklich jeder Kilometer zähle, wie der Neuling derzeit am eigenen Leib feststellt.
Bei seinem Debüt beim Saisonfinale 2024 in Abu Dhabi habe er jedenfalls "viel mehr Druck gespürt, war viel nervöser" als das nun mit der wachsenden Routine der Fall sei, schließlich tanke man durch jedes Rennwochenende zusätzliches Selbstvertrauen: "Auf jeden Fall. Es hat mir definitiv geholfen", sagt Doohan mit Blick auf die jüngst gesammelten Erfahrungen.
Doohan: "Alle im Team waren sehr zufrieden"
In Bezug auf die Chancen für einen langfristigen Verbleib im Team sieht der Rookie seine Chancen deshalb absolut intakt: "Am wichtigsten ist ohnehin die Meinung des Teams. Die Ingenieure und alle im Team waren sehr zufrieden - insbesondere nach dem Rennen in China. Die Strafe war natürlich bedauerlich, aber die Jungs waren sehr glücklich mit meinem Verteidigungsverhalten, der Rennpace insgesamt und auch mit den Ergebnissen."
Allein: "Jetzt geht es für Pierre und mich einfach darum, ein komplettes Wochenende sauber zusammenzubringen und Punkte zu holen, das ist im Moment das Entscheidende. Aber ja, ich fühle mich definitiv besser als noch während der Testfahrten oder in Australien - und dieses Gefühl wächst von Rennen zu Rennen", unterstreicht Doohan erneut sein Plädoyer, den Piloten in dieser frühen Phase der Saison etwas mehr Zeit zur Eingewöhnung zu geben.