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"Muss das Wasser sein": Erneuter Trink-Defekt Grund für Ferrari-Disqualifikation
In Melbourne war es noch ein Scherz, in China holte dieser Ferrari aber offenbar böse ein: Erneuter Defekt an Leclercs Trinksystem maßgeblich an Disqualifikation beteiligt
(Motorsport-Total.com) - Das Wundenlecken bei den Roten geht weiter: Zwei Wochen nach der Disqualifikation beider Ferrari-Piloten beim Großen Preis von China lässt Scuderia-Teamchef Fred Vasseur nun jedoch mit Aussagen in der französischen L'Équipe aufhorchen, die den nachträglichen Ausschluss von Charles Leclerc in Shanghai in ein ganz neues Licht rücken.

© LAT Images
Charles Leclercs Ferrari-Trinksystem erwies sich zum zweiten Mal als inkontinent Zoom Download
Teamkollege Lewis Hamilton wurde nach dem Rennen wegen einer zu stark abgenutzten Bodenplatte aus der Wertung genommen, bei Leclerc indes unterschritt das Auto das nötige Mindestgewicht von 800 Kilogramm um ein Kilogramm. Zunächst gerieten nach dem Rennen die Reifen in den Fokus, da Leclerc im Gegensatz zu Hamilton nur einen Boxenstopp absolviert hatte, und seine Pneus im Ziel entsprechend deutlich abgefahrener waren.
Allein: Üblicherweise kalkulieren die Teams diesen Verschleiß von rund einem Kilo mit ein, zudem wird auf der Auslaufrunde meist Gummiabrieb abseits der Ideallinie aufgesammelt, um den Verlust etwas zu minimieren. Außerdem ergaben erste Untersuchungen im Pirelli-Werk in Mailand, dass es im Vergleich zu anderen Autos mit gleicher Strategie keine Auffälligkeiten an Leclercs Reifen gab.
Ferrari verrät: "Haben einen Liter Wasser verloren"
Wie also kam der Gewichtsverlust am SF-25 dann zustande? Laut Teamchef Vasseur sei dieser "eine Summe vieler kleiner Faktoren", wobei der Franzose dabei das Trinksystem an Leclercs Auto in den Fokus rückt, denn in Bezug auf die Reifen-Theorie erklärt er: "Es lag nicht nur daran. Die Reifen sind nur ein Teil der Erklärung. Wir haben außerdem einen Liter Wasser verloren, da Charles' Trinkflasche undicht war."
Kurios: Erst beim Auftaktrennen eine Woche zuvor in Melbourne war das Trinksystem an Leclercs Auto in aller Munde, damals noch in nahezu komödiantischem Kontext: "Muss das Wasser sein", funkte Renningenieur Bryan Bozzi damals seinem Piloten aufs Ohr, nachdem dieser sich erkundigt hatte, warum es im Cockpit so nass sei - die schräge Konversation mit Leclerc ging anschließend viral und erheiterte Formel-1-Fans rund um den Globus.
Leclerc selbst klärte jedoch schon nach dem Rennen im Albert Park auf: "Ich denke, es war das Trinksystem, denn als ich in der nächsten Runde trinken wollte, war nichts mehr da." Ein Problem, das Ferrari offenbar nicht behoben bekam, den 27-Jährigen auch in China heimsuchte - und schlussendlich zum Faktor für seine Disqualifikation wurde, entspricht ein Liter Wasser unter normalen Bedingungen doch einem Kilogramm Gewicht, womit ein Großteil des Defizits auf der Waage erklärt wäre.
Vasseur über unterschiedliche Arten der Disqualifikation
War bei Leclerc also augenscheinlich ein Defekt Ursache für den Ausschluss, so erwies sich bei Hamilton schlichtweg die Sicherheitsmarge als zu gering, wie Vasseur erklärt - der Franzose ist deshalb auch um Differenzierung bemüht: "Man muss zwischen einer Disqualifikation, weil man Risiken eingeht, und einer Disqualifikation wegen Betrugs unterscheiden", stellt der Teamchef klar.
Man habe die Fahrzeughöhe an Hamiltons Auto einfach eine Spur zu niedrig eingestellt, wodurch in weiterer Folge nach der Zieldurchfahrt die Skid-Blöcke zu stark abgeschliffen und an den Messlöchern deshalb zu dünn waren: "Das Ziel in der Formel 1 ist es, überall bis an die Grenzen aller Parameter zu gehen, bis zum letzten Gramm Gewicht, bis zum letzten Zehntelmillimeter beim Skid, bis zum letzten Millimeter der Flügelverformung", berichtet Vasseur.
Für den Scuderia-Teamchef liegt es folglich in der Natur der Sache, dass dabei auch mal Fehler passieren können: "Je größer der Druck und je intensiver der Wettbewerb, desto näher muss man an diese Limits heran - und desto größer ist das Risiko." Eine Lektion, die Ferrari in China auf unterschiedliche Weise gleich zweimal erteilt bekam.