Leclerc über Ferrari-Disqualifikation: "Das haben wir nicht gebraucht"
Charles Leclerc liegt die Disqualifikation von China immer noch im Magen, auch die Pace Ferraris im Qualifying bereitet ihm Sorgen - denn sie hat weitreichende Folgen
(Motorsport-Total.com) - Die Katerstimmung bei Ferrari ist auch knapp zwei Wochen nach der Doppel-Disqualifikation der Scuderia in Shanghai noch nicht ganz verflogen - zumindest nicht bei Charles Leclerc: "Jeder versucht die Grenzen auszuloten und sich ihnen so weit wie möglich anzunähern, aber dass wir mit beiden Autos darunter lagen, war ein harter Schlag", räumt der Monegasse mit Blick auf die Ereignisse in China ein.

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Charles Leclerc und Teamkollege Lewis Hamilton wurden in China disqualifiziert Zoom Download
Dabei stellt Leclerc fest: "Das haben wir wirklich nicht gebraucht, denn es war bereits ein sehr schwieriger Saisonstart. Die ersten beiden Rennen liefen nicht nach unseren Erwartungen, die Pace war nicht da, wo wir sie haben wollten", so der Ferrari-Pilot: "Dann noch zusätzlich Punkte auf diese Weise zu verlieren, hat dem Team sehr wehgetan."
Anderseits glaubt Leclerc: "Aus Fehlern lernt man - besonders, wenn sie so kostspielig sind." Der Monegasse ist davon überzeugt, dass sein Team die richtigen Schlüsse aus dem Ausschluss gezogen hat: "Wenn solche Dinge passieren, analysieren wir genau, was schiefgelaufen ist, und passen unsere Abläufe entsprechend an. Es war eine Kombination verschiedener Faktoren, die sich summierten", stellt Leclerc fest: "Letztlich war unsere Sicherheitsmarge nicht groß genug."
Leclerc denkt an 2024: "War sogar noch schlechter"
Größere Sorgen als der vermeintlich einmalige Ausrutscher bereitet dem Scuderia-Star aber die grundsätzliche Pace Ferraris: Zwar habe man am Shanghai-Samstag "einen großen Schritt gemacht - besonders im Sprintrennen mit Lewis", so Leclerc: "Am Sonntag hingegen war es wieder mehr das gewohnte Bild. Ich erwarte daher, dass wir in Suzuka in etwa auf dem Niveau sind, das wir am Sonntag in China und in Melbourne hatten", zeigt er sich wenig optimistisch.
Immerhin: Ein Eingreifen Ferraris in den Titelkampf 2025 will Leclerc deshalb aber "noch nicht" abschreiben: "Wenn wir auf das letzte Jahr zurückblicken: Nach den ersten Rennen war unsere Performance im Vergleich zu jetzt sogar noch schlechter. Wir gingen damals davon aus, dass Red Bull die gesamte Saison dominieren würde, doch wir sammelten konsequent Punkte, nutzten die Gelegenheiten - und am Ende kämpften wir tatsächlich um die Meisterschaft."
Dieses Comeback gelte es nun zu reproduzieren, hofft Leclerc, wenngleich jedem bei Ferrari klar sei, "dass wir in den ersten beiden Rennen nicht das Maximum herausgeholt haben. Das ist frustrierend, es bedeutet aber nicht, dass wir nicht aufholen können. Die Saison ist noch lang, und mit kleinen Schritten können wir immer noch eine großartige Saison haben."
Reifenabbau: Deshalb ist das Qualifying so wichtig
Doch was könnten diese Schritte sein und woran liegen die aktuellen Schwierigkeiten der Scuderia? "Ich werde nicht zu sehr ins Detail gehen, aber wir beginnen, das Auto besser zu verstehen und haben eine Idee, wo es uns noch fehlt", verrät Leclerc, der beispielsweise den Reifenabbau als großen Faktor nennt: "Wenn man vorne startet, kommt einem das Rennen automatisch mehr entgegen", erklärt er und lobt dabei gleichzeitig Teamkollege Hamilton, der in China in Sprint-Quali und Sprint diesbezüglich einfach "den Unterschied gemacht" habe.
Im Grand Prix am Sonntag sei von den schlechteren Startpositionen aus dann der stärkere Reifenverschleiß ein limitierender Faktor gewesen, "das wahre Potenzial kommt dann nicht zur Geltung - genau das ist in China am Sonntag passiert", glaubt Leclerc, dass Ferrari wie schon 2024 grundsätzlich über ein starkes Renn-Tempo verfügt, "aber wir konnten es bisher nicht richtig zeigen". Die Aufgabenstellung für die Scuderia sei also unverändert, das Qualifying zu verbessern: "Das ist der Bereich, in dem wir uns steigern müssen."
Leclercs Annahme in Bezug auf das Renn-Tempo lässt sich mit Blick auf den China-Sonntag auch daran festmachen, dass er trotz beschädigtem Frontflügel starke Zeiten liefern konnte. Manch einem Experten, der unkte, ohne Endplatte sei er aufgrund der Kurscharakteristik sogar schneller unterwegs gewesen als mit, widerspricht der 27-Jährige jedoch: "Ich kann versichern, dass es nie von Vorteil ist, mit einem beschädigten Frontflügel zu fahren - also sicher nichts, das ich für den Rest des Jahres anstreben werde."
Leclerc: Intakter Frontflügel "natürlich schneller"
Zwar habe er sich mit seinen Ingenieuren im Nachgang "einige interessante Aspekte angesehen, um die Performance zu verstehen", doch Leclerc macht die guten Zeiten mit dem waidwunden Ferrari eher daran fest, dass das Renn-Tempo der Scuderia "insgesamt sehr stark" gewesen sei. Dabei halfen dem Monegassen laut eigener Aussage Anpassungen am Set-up, mit denen er fürs Rennen "einen Schritt nach vorn gemacht" hätte.
Trotzdem stellt Leclerc unmissverständlich klar: "Ich denke, ohne den beschädigten Frontflügel wäre unsere Leistung noch stärker gewesen. Aber durch Anpassungen an den Einstellungen des Autos und an meinem Fahrstil konnten wir die negativen Auswirkungen begrenzen." Grundsätzlich sei es "natürlich schneller, mit einem intakten Frontflügel zu fahren", winkt der Scuderia-Pilot in Bezug auf die heraufbeschworene Anomalie aber ganz klar ab.