• 03. April 2025 · 10:45 Uhr

Neuanfang bei Williams: Sainz' Kampf mit alten Gewohnheiten

Wie schwer sich Carlos Sainz bei der Umstellung von Ferrari auf Williams tut und womit er im Cockpit seines Formel-1-Autos die größten Schwierigkeiten hat

(Motorsport-Total.com) - Einen Punkt hat Williams-Fahrer Carlos Sainz in bisher zwei Grands Prix für Williams erzielt, sein Teamkollege Alexander Albon schon 16 WM-Zähler. Aber woran liegt es, dass Sainz zu Beginn der Formel-1-Saison 2025 so sehr hinterherhinkt? Ist es nach seinem Wechsel von Ferrari zu Williams nur eine Frage der Eingewöhnung oder der Abstimmung des FW47?

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Carlos Sainz im Williams FW47 in der Formel-1-Saison 2025 Zoom Download

"Ich denke, es ist eine Kombination aus beidem", sagt Sainz vor dem Japan-Grand-Prix in Suzuka (alle Einheiten hier im Formel-1-Liveticker verfolgen!).

"Ich war bei Ferrari an einen bestimmten Autotyp gewöhnt, was dazu geführt hat, dass ich vor allem seit 2022 auf eine sehr spezifische Weise gefahren bin, um alles aus diesem Auto herauszuholen. Und du gewöhnst dir bestimmte Fahrgewohnheiten an, die du dann auch beim nächsten Auto anwendest - was in manchen Kurven funktioniert, dich aber in anderen sehr schwächt."

Das Set-up des Rennautos spiele aber ebenfalls eine Rolle, "und daran arbeiten wir ebenfalls", betont Sainz. "Es geht darum, die Kurventypen herauszufinden, bei denen dein Fahrstil noch funktionieren sollte, und dafür am Set-up zu arbeiten. Und dann gibt es andere Kurven, bei denen du deinen Fahrstil komplett umstellen und dich wieder an das aktuelle Auto anpassen musst."

Warum Sainz das Fahren neu lernen muss

GPS-Daten vom zweiten Formel-1-Rennwochenende in China zeigen, dass Sainz sehr aggressiv in Kurven hineinfährt, nur um dann am Kurvenausgang an Leistung zu verlieren. Das illustriert laut Sainz, wie sehr er sich auf die Ferrari-Autos der jüngeren Vergangenheit eingestellt hatte.

"Das jetzige Auto hat komplett andere Stärken und Schwächen als das Auto, das ich drei Jahre lang gefahren bin und an das ich mich angepasst hatte", erklärt er. "Das ist im Grunde der Punkt: Du fährst eine Kurve auf eine bestimmte Weise an, erwartest, dass das Auto etwas Bestimmtes tut - und dann musst du komplett rückwärts denken und sagen: 'Okay, fang bei null an - so funktioniert das hier nicht.'"


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"Wie gesagt, das in einem Test zu machen ist relativ einfach, weil du es spürst - aber wenn du in einem Qualifying einen frischen Satz Reifen aufziehst und angreifst, dann musst du extrem diszipliniert sein. Und genau dort braucht es Zeit, um sich anzupassen und das Maximum aus mir selbst und dem Auto herauszuholen."

Wie viel Zeit sich Sainz zur Umstellung einräumt

Aber wie viel Zeit will sich Sainz für die Umstellung einräumen? Und wann wird diese Umstellung vollständig abgeschlossen sein?

"Das hängt zunächst einmal davon ab, wie weit das Auto von deinem natürlichen Fahrstil entfernt ist", sagt Sainz. "Je weiter entfernt, desto länger dauert der Prozess, denke ich. Und es kommt auch darauf an, wie man es definiert: Wenn du bei 100?Prozent bist, die Augen schließen kannst und einfach schnell fährst - das ist wahrscheinlich der Idealzustand. Dann dauert es sogar mehr als ein Jahr, um dorthin zu kommen."

"Wenn 100?Prozent einfach bedeutet, auf sehr hohem Niveau in der Formel 1 zu fahren - dahin möchte ich so schnell wie möglich kommen. Für mich sollte das weniger als ein halbes Jahr dauern, fünf bis zehn Rennen. So sehe ich das und so setze ich es mir zum Ziel."

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Carlos Sainz steht noch am Anfang seiner Formel-1-Zeit bei Williams Zoom Download

Für ihn gehe es also in der Frühphase der Formel-1-Saison 2025 hauptsächlich darum, Erfahrungen im Umgang mit dem Williams-Fahrzeug zu sammeln. Es gelte "verschiedene Streckentypen, verschiedene Asphaltoberflächen, verschiedene Grip-Niveaus und verschiedene Abtriebskonfigurationen" kennenzulernen, sagt Sainz. "Und dann braucht es Zeit, um ein gutes Level zu erreichen."

Warum Sainz derzeit keine Frustration empfindet

Für ihn sei das aber nicht frustrierend, betont der Williams-Fahrer - im Gegenteil: "Mir macht diese Herausforderung Spaß. Denn sobald man diesen Klick-Moment findet, fühlt es sich immer gut an. Und ich habe diesen Klick-Moment immer gefunden." Das stimme ihn zuversichtlich.

"Sagen wir es so: Jetzt bin ich bereit. Und es braucht einfach ein bisschen Zeit", meint Sainz. Diese Zeit müsse man sich geben. Denn wenn man sich keine Zeit gibt und erwartet, dass man es schon im nächsten Rennen findet, und dann merkt, dass man in eine falsche Richtung gegangen ist, wird man nervös und spürt den Druck. Dann kann sich das Ganze wie eine schwere Last auf deinen Schultern anfühlen."

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"Aber wenn man sich die Zeit nimmt, weil man weiß, dass es noch Rundenzeit zu finden gibt, noch Leistung herauszuholen ist, und wenn man weiß, dass man, sobald man das freischaltet, wieder genauso schnell ist wie mit jedem anderen Auto - dann macht es Spaß."

Weshalb ein Teamwechsel gut ist für einen Rennfahrer

Sainz setzt hier auf den "zusätzlichen Lerneffekt" in einem neuen Auto und auf positive Begleiterscheinungen. "Denn unterm Strich macht dich das zu einem besseren Fahrer", meint er.

"Ich glaube, einer der Gründe, warum ich vergangenes Jahr auf das Level gekommen bin, auf dem ich war, sind all diese schlechten Erfahrungen beim Teamwechsel, durch diesen Prozess in der Vergangenheit. Ich habe das 2022er-Auto bei Ferrari gehasst - und dann erkannt, dass ich 2023 und 2024 wieder so schnell war wie mit dem 2021er-Auto."

"Bei McLaren habe ich das Auto von Anfang an geliebt, ich musste gar nicht darüber nachdenken. Ich war sofort schnell. Der Toro Rosso, der Renault - da hatte ich schlechte Erfahrungen. Aber genau diese Erfahrungen, die guten und die schlechten mit jedem Auto, haben mich mit 30 an diesen Punkt gebracht."

"Und deshalb habe ich nach Beginn einer neuen Saison diese Ruhe, zu wissen: Wenn das passiert, gibt es noch genug Zeit, um darauf zu reagieren."

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