• 02. April 2025 · 14:39 Uhr

Von der Boxengasse an die Kletterwand: Ayao Komatsus zweite Leidenschaft

Haas-Teamchef Ayao Komatsu findet seinen Ausgleich zum stressigen Rennalltag in der Vertikalen - Der Japaner kennt die besten Kletterhallen dieser Welt

(Motorsport-Total.com) - "Wahrscheinlich gehe ich heute Abend", sagt Ayao Komatsu und wirft einen Blick auf seine Uhr, als wir uns in der Hospitality-Suite von Haas am Shanghai Circuit hinsetzen. "Es gibt einen neuen Ort, etwa eine halbe Stunde vom Hotel entfernt."

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Ayao Komatsu verbringt seine Freizeit gerne in Kletterhallen Zoom Download

Er spricht von einer neuen Kletterhalle. Ein guter Freund von ihm ist Klettertrainer und zufällig vor Ort. Für den Formel-1-Teamchef von Haas gehören Kletterhallen weltweit seit einigen Jahren zur Routine. Wo immer er mit dem Rennzirkus unterwegs ist, hat er immer seinen Magnesiumbeutel, Gurt und Kletterschuhe im Gepäck.

Er kennt Dutzende von Hallen weltweit, in denen Menschen ihre Freizeit damit verbringen, vertikale Wände zu erklimmen. "In Singapur gibt es jede Menge Hallen", weiß er.

"Und wir wohnen mitten in der Stadt, also gibt es viele gute Optionen. In Brasilien gibt es eine Kletterhalle fünf Minuten von meinem Hotel entfernt. Mailand ist fantastisch - wir wohnen im Hilton, und buchstäblich zwei Minuten vom Hotel entfernt gibt es vermutlich die beste Kletterhalle Mailands. In Bahrain kann man auch klettern. Melbourne. Sogar Suzuka - ich weiß, wohin ich dort gehen muss."

Komatsu kam durch Zufall zum Klettern

Komatsus Liebe zu den Bergen reicht bis in seine Kindheit zurück, als er mit seinem Vater Bergsteigen ging und als Kind in einer Berghütte arbeitete. Doch erst als er nach Großbritannien zog - mit dem klaren Ziel, Ingenieurwissenschaften zu studieren und eine Karriere in der Formel 1 aufzubauen - entdeckte er das Felsklettern.


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Ein zufälliges Treffen brachte ihn mit Johnny Dawes zusammen, einem britischen Felskletterer, der auch als "Stone Monkey" bekannt ist. "Ich lebte in Coventry, spielte Rugby, und der Bruder meines besten Freundes, Jim, war total ins Klettern vernarrt."

"Er wohnte mit dieser Legende zusammen - ernsthaft, eine Legende - namens Johnny Dawes. Ich hatte noch nie von ihm gehört, weil ich nichts mit Klettern zu tun hatte. Aber der Bruder meines Freundes sagte immer wieder: 'Ayao, wir sollten es mal probieren.'"

"Das erste Mal kletterte ich an der Kletterwand der Warwick University - und es gefiel mir. Ich war ziemlich gut darin. Dann gingen wir ein paar Mal im Peak District klettern. Ich liebte es - absolut. Aber das war 1994. Ich machte gerade einen Vorbereitungskurs in Coventry und hatte es an die Loughborough University geschafft."

"Jims Bruder holte mich dann oft von Coventry ab, und wir fuhren nach Sheffield, um mit Jim und Johnny im Peak District zu klettern. Ich machte das ein paar Monate lang."

"Aber dann wurde mir klar: 'Scheiße, wenn ich das weiter mache, werde ich mein Studium komplett versauen und keine Chance haben, das zu erreichen, wofür ich hergekommen bin.' Also entschied ich mich: 'Ich liebe es, aber ich muss aufhören, weil es zu süchtig macht.' Nach etwa neun Monaten hörte ich auf zu klettern."

Die Kletterschuhe sind immer mit dabei

Die Pause dauerte fast ein Vierteljahrhundert. Komatsu entdeckte seine Liebe zum Klettern wieder, als er bereits ein etablierter Formel-1-Ingenieur war und eine leitende Rolle bei Haas innehatte. "Eines meiner Kinder begann zufällig mit Sommer-Kletterkursen in einer lokalen Halle in Milton Keynes", erzählt er.

"Dann fing mein zweites Kind auch damit an. Als Elternteil brachte ich sie nur hin und wartete darauf, dass sie fertig wurden. Aber dann dachte ich: Ich kann es ja auch mal wieder probieren. Also kaufte ich neue Kletterschuhe und einen neuen Gurt, weil mein alter längst nicht mehr sicher war. Plötzlich kletterte ich wieder."

"2022 war persönlich ein schwieriges Jahr für mich, und das Klettern wurde mein Bewältigungsmechanismus - ein Weg, meinen Kopf freizubekommen. Also begann ich, Kletterhallen zu besuchen, wenn ich mit Formel 1 unterwegs war. Und das mache ich immer noch - ich nehme meine Kletterschuhe überall mit hin."

"Das Erstaunliche am Klettern ist, dass es multidimensional ist. Manche Routen erfordern Kraft im Oberkörper, andere in den Beinen. Wieder andere setzen auf explosive Kraft oder Balance. Es kann Flexibilität oder einfach nur Fingerkraft sein. Es ist nicht so, dass man nicht klettern kann, wenn man nicht stark genug ist - es gibt immer eine Route, die man herausfordern kann. Es wird nie langweilig."

"Und ich brauche etwas, das mich abschalten lässt. Wenn du beim Klettern nicht zu 100 Prozent auf das konzentriert bist, was vor dir liegt, oder Angst hast, weil du 60 Meter über dem Boden hängst, oder an etwas anderes denkst, geht alles schief."

"Deine Koordination ist komplett daneben, und du kannst die Bewegungen nicht machen, die du eigentlich könntest. Es ist ein großartiges mentales Training für Fokus."

Enge Freundschaft mit Olympiasiegerin

Für Komatsu ist Klettern nicht nur ein Hobby oder eine Ablenkung vom Rennsport - es ist auch eine Inspirationsquelle. Einer seiner besten Freunde ist die slowenische Athletin Janja Garnbret, zweifache Olympiasiegerin und eine der besten Kletterinnen.

Sie trafen sich in Singapur in einer Kletterhalle während des Grand-Prix-Wochenendes und sind seither enge Freunde. Er gibt bereitwillig zu, dass sie eines seiner Vorbilder geworden ist. "Ich denke, wir sind uns in der Art, wie wir uns selbst fordern und mit Druck umgehen, ziemlich ähnlich", sagt er über Garnbret.

"Aber das Erstaunliche ist ... In jedem Wettkampf, an dem sie teilnimmt, ist alles außer einem Sieg eine Niederlage. Stell dir das vor - du wirst Zweiter, und es ist ein Misserfolg."

"Sie hat die Olympischen Spiele in Tokio gewonnen - die ersten Spiele mit Sportklettern. Sie war die absolute Favoritin. Jeder hat erwartet, dass sie gewinnt. Stell dir diesen Druck vor. Und sie hat geliefert. Aber das ist das Besondere an ihr - sie liefert jedes Mal ab. Wie macht man das? Wie geht man mit so einem Druck um?"

"In Paris war sie wieder die große Favoritin. Die Leute haben quasi als selbstverständlich angenommen, dass sie doppelte Olympiasiegerin wird. Das ist unglaublich hart. Ihre Trainingseinheiten sind der Wahnsinn, und sie zieht sie Tag für Tag durch. Pure Entschlossenheit, harte Arbeit", schwärt Komatsu.

"Natürlich ist sie hochbegabt - sie hat mehr natürliches Talent als jeder andere. Aber das ist nicht der Grund, warum sie gewinnt. Es ist ein Prozess, wie sie sich einsetzt, wie sie sich mental vorbereitet und wegen des Teams, das sie um sich hat."

"Ich habe sie im olympischen Finale in Paris beobachtet. Es war schwer anzusehen. Ich weiß, wie sie klettert, wenn sie 'frei' ist. Im Finale von Paris konnte man spüren, was sie mit sich herumtrug. Meiner Meinung nach war sie weit von ihrem besten Niveau entfernt, aber es hat trotzdem für Gold gereicht."

"Das zeigt, wie weit sie allen anderen voraus ist. Und es zeigt, dass sie und ihr Trainer wussten, dass sie in einem olympischen Finale nicht zu 100 Prozent ihre Leistung abrufen können würde. Also haben sie darauf trainiert, dass sie selbst mit - sagen wir - 60 Prozent immer noch Gold holen würde. Und genau das ist passiert."

"Das ist verrückt. Ich habe noch nie jemanden gesehen, der so talentiert und gleichzeitig so fleißig, engagiert und fokussiert ist. Und sie ist ein sehr bescheidener Mensch. Das ist inspirierend. Jedes Mal, wenn ich sie trainieren sehe oder bei einem Weltcup oder den Olympischen Spielen zuschaue - es ist absolut inspirierend."

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Komatsu ist 2024 zum Formel-1-Teamchef von Haas aufgestiegen Zoom Download

Die meisten von Komatsus Klettersessions finden inzwischen in Indoor-Kletterhallen auf der ganzen Welt statt, aber seine Bewunderung für echte Berge bleibt bestehen. Obwohl er zugibt, dass seine Fähigkeiten nicht ausreichen, um die höchsten Gipfel der Welt zu erklimmen, träumt er davon, ihnen zumindest nahezukommen.

Diesen Traum will sich Komatsu erfüllen

"Natürlich kann ich mit meinem Job nicht ständig draußen klettern", sagt er. "Deshalb genieße ich es, Indoor-Bouldersessions auf der ganzen Welt zu machen, wenn ich kann."

"Aber bevor ich sterbe, muss ich den K2 (den zweithöchsten Berg der Erde nach dem Mount Everest; Anm. d. R.) mit meinen eigenen Augen sehen. Ich behaupte nicht, dass ich den K2 besteigen kann - ich würde wahrscheinlich sterben, wenn ich es versuchen würde. Aber ich möchte ihn zumindest vom Basislager aus sehen."

"Als ich als Kind in einer Berghütte gearbeitet habe ... wenn sich am Morgen der Nebel lichtet und man den Berg direkt vor sich sieht - das ist einfach unglaublich. Es lässt einen so klein fühlen. Es ist eine unglaublich demütigende Erfahrung. Man kann es nicht in Worte fassen. Es ist fast wie eine religiöse Erfahrung."

"Ich bin nicht religiös, aber für mich sind Berge einfach faszinierend. Und der K2 ist der Berg, den ich am meisten bewundere. Deshalb will ich hin. Nicht bis zum Gipfel - die Todesrate ist wahnsinnig hoch, fast ein Viertel derjenigen, die es schaffen, sterben auf dem Rückweg. Der Everest ist dagegen ein Kinderspiel. Aber der K2 ... ich würde ihn wirklich gerne sehen, bevor ich sterbe."

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