Analyse: Was die Daten über Lawsons Red-Bull-Form sagen
Analyse: Wo Liam Lawson im Vergleich zu Max Verstappen im Red Bull RB21 zu wenig Leistung gebracht hat und warum Red Bull keine Fortschritte erkannte
(Motorsport-Total.com) - Das Abenteuer von Liam Lawson bei Red Bull dauerte nur zwei Rennen, ehe der neuseeländische Fahrer zurück zum Schwesterteam Racing Bulls versetzt wurde. Doch was waren die Gründe? Und vor allem: Welche Daten bewogen das Team aus Milton Keynes zu diesem erneuten Fahrerwechsel?
Wir werfen einen Blick auf die Zahlen aus Lawsons Rennwochenenden im Red Bull RB21, um seine Schwierigkeiten besser zu verstehen.
Unabhängig davon fällt auf: Vor dem Saisonstart wie auch nach dem Australien-Grand-Prix hatte das Red-Bull-Management versichert, dass Lawson Zeit zur Eingewöhnung erhalten würde - vor allem auf ihm bekannten Strecken. Doch diese Chance blieb aus: Noch bevor er eine solche Strecke befahren konnte, war seine Zeit bei Red Bull bereits vorbei.
Helmut Marko brachte es auf den Punkt: Lawson sei wie ein "angeschlagener Boxer" - in einer Abwärtsspirale. Ausgerechnet in Bereichen, die eigentlich seine Stärken sein sollten, wie Anpassungsfähigkeit und mentale Stärke.
Ausschlaggebend war letztlich die Datenanalyse: Kaum Fortschritte, ein zu großes Leistungsdefizit - in einer Phase, in der Red Bull sich keine Punktverluste leisten kann.
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Lawson selbst bat nach dem China-Grand-Prix um Zeit, wohl wissend, dass sein Cockpit wackelte. Dabei war sein Start alles andere als problemlos gewesen: Bei den Wintertests wurde er durch einen Hydraulikschaden eingebremst. In Australien fiel für ihn eine komplette Trainingssession wegen eines Defekts am Antriebsstrang aus. Dabei braucht gerade ein unerfahrener Fahrer jede Minute auf der Strecke - und das in einem Auto, das sich als schwer beherrschbar erweist.
Melbourne: Kein Rhythmus, keine Performance
Schon beim Saisonauftakt in Melbourne zeigten die Daten ein klares Bild, das sich in China fortsetzte: Es fehlte Lawson nicht nur an reiner Pace, sondern auch an der Fähigkeit, eine saubere Runde zusammenzubringen. Obwohl Lawson das dritte Freie Training verpasste, traten seine Schwächen im Qualifying klar zutage.
Bereits in Q1 musste er an die Grenzen gehen, um ein Ausscheiden zu verhindern. Doch seine Zeiten waren selbst dann schlechter als jene von Verstappen, der noch nicht am Limit fuhr. Besonders auffällig war das in langsamen Kurven wie Kurve 3 und Kurve 11 sowie in mittelschnellen bis schnellen Passagen wie Kurve 6 oder dem Kurvenkomplex 9/10.
Als Verstappen in Q3 selbst ans Limit ging, weiteten sich die Abstände dramatisch aus: In den Kurven 1, 6 und 10 lag Lawson teils über 10 km/h zurück - zu viel für Formel-1-Verhältnisse.
Übersteuern, Fehler, kein Fortschritt
Doch es war nicht nur die Pace: Lawson hatte auch große Mühe, fehlerfreie Runden zu fahren. Das unterstreicht, wie schwierig sich die RB21 trotz Winter-Updates fahren lässt, aber auch, dass Lawson über das Limit hinausging, um Zeit zu finden - was letztlich ins Gegenteil umschlug.
Sein letzter Qualifying-Versuch in Australien - bis dahin seine beste Runde - wurde durch zwei Fehler zunichtegemacht: ein kleiner Ausrutscher in Kurve 10 und ein Blockieren vor der letzten Kurve.
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Ein ähnliches Bild in China beim Sprint-Qualifying: zu viel Speed in Kurve 9, weit über den Randstein hinausgetragen. Tags darauf hatte er in derselben Passage zwar höhere Kurvengeschwindigkeiten, litt aber beim Herausbeschleunigen - das Ergebnis einer nicht optimalen Abstimmung.
Dreimal fuhr er für Red Bull ins Qualifying, zweimal beendete er seine schnellste Runde wegen Fehlern nicht. Nur einmal, im regulären China-Qualifying, konnte er sich im letzten Versuch verbessern, doch der Datenvergleich mit Verstappen sprach auch dort gegen ihn.
China: Probleme beim Einlenken und bei Richtungswechseln
In Australien kämpfte Lawson vor allem in langsamen und mittelschnellen Kurven. In Shanghai änderte sich das Profil leicht, doch die Kernprobleme blieben: das Einlenken. Kurve 1 und der Wechsel durch die Kurvenkombination 2/3 - hier verlor er bis zu 15 km/h im Vergleich zu Verstappen.
Dort, wo wenig Lenkarbeit nötig ist - wie in den schnellen Kurven 7 und 8 - zeigte Lawson ordentliche Werte. Doch sobald Präzision und Mut gefragt waren, wuchs der Abstand zu Verstappen. Denn der viermalige Weltmeister lebt von einem stabilen Frontbereich, kann aber auch bei Problemen hohe Kurvengeschwindigkeiten umsetzen - eine Qualität, die Lawson (noch) fehlt.
Fazit: Drei Gründe für das Aus
Was bleibt, ist die Erkenntnis: Lawson hatte größere Probleme mit dem instabilen RB21 als sein Teamkollege. Seine Fehler rührten auch von seinem Versuch her, zu viel herausholen zu wollen - was das Gegenteil bewirkte. Die Red-Bull-Führung erkannte nach nur zwei Rennen: keine sichtbaren Fortschritte, einen zu großen Rückstand auf Verstappen und eine Überforderung in einem schwer zu fahrenden Auto.
Der Wunsch nach mehr Zeit wurde Lawson nicht erfüllt. Stattdessen setzte Red Bull auf Tsunoda, also den Fahrer, den es wenige Monate zuvor noch abgelehnt hatte - in der Hoffnung, schnell eine Lösung für ein viel tiefer liegendes Problem zu finden.