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Sebastian Vettel: "Ich bin der größte Heuchler, den es gibt!"
Warum der viermalige Weltmeister Sebastian Vettel heute anders denkt als früher und was die Formel 1 seiner Meinung nach tun muss, um weiter relevant zu bleiben
(Motorsport-Total.com) - "Als ich als Rookie angefangen habe, war ich ausschließlich auf das Rennen fokussiert, und es war wirklich das Einzige, womit ich mich den ganzen Tag beschäftigt habe", sagt Sebastian Vettel im "Sportsworld"-Podcast der BBC. Heute denkt Vettel anders, und eine Sache ärgert ihn rückblickend besonders: "Dass ich nicht schon früher in meiner Karriere den Mund aufgemacht habe."
Ihm sei in jungen Jahren nicht klar gewesen, welches "Potenzial man als Profisportler hat, um Menschen zu inspirieren", so Vettel. Dieses Potenzial nicht genug genutzt zu haben, "das ist wahrscheinlich eines der wenigen Dinge, vielleicht sogar das Einzige, das ich bereue. Aber seitdem versuche ich, Botschaften zu verbreiten, die mir wichtig sind."
So setzt sich Vettel inzwischen schon seit Jahren aktiv für den Umweltschutz ein tritt zum Beispiel als Gastredner an Schulen auf, um für ein nachhaltigeres Leben zu werben. Aber macht ihn das angesichts seiner Jet-Set-Vergangenheit nicht zum Heuchler?
Warum sich Vettel als Heuchler sieht
"Ich muss mir diesen Vorwurf gefallen lassen", sagt Vettel im Gespräch mit dem Schweizer Tages-Anzeiger. "Und ja: Ich bin der größte Heuchler, den es gibt, wenn ich über Umweltthemen rede und gleichzeitig einen so großen Fußabdruck hinterlassen habe. Ich flog jahrelang um die Welt - und das nicht Economy, sondern Business oder First Class."
"Aber muss ich mich deswegen schlecht fühlen? Wir werden das Problem nicht mit Scham lösen, sondern vielmehr, indem wir uns damit konfrontieren und nach Lösungen suchen", meint Vettel.
"Wir alle sind doch Heuchler, weil wir auch Dinge genießen, von denen wir wissen, dass sie nicht so gut sind. Müssen wir nach Thailand in die Ferien fliegen? Nein. Aber es ist halt auch unheimlich schön dort."
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Kein anderer kann Dankesreden so gut wie Sebastian Vettel. In diesem Video zeigen wir euch seinen Auftritt bei den Autosport-Awards in London. Weitere Formel-1-Videos
Deshalb plädiert Vettel dafür, nicht das Reisen zu verbieten, "sondern technologische Möglichkeiten anzubieten, die uns erlauben, das Gleiche zu tun wie bislang - nur nachhaltiger", so erklärt der viermalige Weltmeister.
Vettel glaubt: Die Formel 1 gerät unter Druck
Auch die Formel 1 müsse sich anpassen, wenn sie langfristig relevant bleiben wolle, sagt Vettel. Denn "in Ländern wie Deutschland wird hinterfragt, ob sie noch in die Zeit passt. Wenn sich die Formel 1 nicht schnell genug bewegt und Antworten auf wichtige Fragen findet, läuft sie Gefahr, dass der gesellschaftliche Druck so groß wird, dass über ein Verbot diskutiert wird."
Doch von einem Verbot geht selbst Vettel nicht aus: Die Formel 1 habe "grundsätzlich eine Daseinsberechtigung" und könne nicht einfach "gelöscht" werden, so erklärt er. "Bezüglich Fahrzeuge und Technologie muss sie sich aber bewegen."
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Gerade mal 18 Jahre alt ist Sebastian Vettel, als er im September 2005 seinen ersten Formel-1-Test absolviert - nur wenige Tage nach der bestandenen Führerschein-Prüfung. Für den jungen Deutschen ist ... Fotostrecke
Das tut die Rennserie bereits: Ab 2026 verwendet die Formel 1 nachhaltige Kraftstoffe in den Autos, bis 2030 will die Meisterschaft komplett klimaneutral agieren.
Warum Vettel optimistisch ist für die Formel 1
Auch Vettel sieht diese Bemühungen: "Die Formel 1 ist nicht die erste Sportart, bei der man an Umweltschutz denkt, aber sie bietet viele Chancen", sagt er im BBC-Gespräch.
"Ich bin optimistisch: In der Formel 1 gibt es Geld - und Geld kann Veränderungen bewirken. Wenn die Formel 1 das schafft, können es auch andere Großveranstaltungen wie Konzerte oder andere Sportarten schaffen."