Lewis Hamilton stellt weiter um: Neue Software am Ferrari-Lenkrad
Nachdem Lewis Hamilton sein Ferrari-Lenkrad optisch umbauen ließ, hat der siebenmalige Weltmeister auch bei der Software einige Änderungen angeregt
(Motorsport-Total.com) - Lewis Hamiltons Eingewöhnung in die Ferrari-Welt schreitet weiter voran - und zeigt sich auch in kleinen Details. Auf Wunsch des Briten wurden am Lenkrad zusätzliche Informationen eingeblendet, die auf Automatismen aus seiner Mercedes-Zeit zurückgehen. Dabei offenbart sich auch ein anderer Ansatz als jener des Teams aus Maranello. Was genau hat sich verändert?
Die Formel-1-Saison 2025 hat vor einigen Wochen offiziell begonnen und hielt für Lewis Hamilton bereits das erste Erfolgserlebnis bereit: Poleposition und Sprintsieg in China. Es folgte allerdings eine bittere Disqualifikation am Sonntag - ein emotionales Auf und Ab, das sowohl die Stärken als auch die Schwächen des Ferrari SF-25 offenbarte.
Doch das ist heute nicht unser Thema. Bereits vor dem China-Wochenende hatte der siebenfache Weltmeister erklärt, wie sein Anpassungsprozess an die Scuderia voranschreitet - und dass er nun erste konkrete Hinweise zum Fahrzeug-Set-up geben könne, basierend auf einem besseren Verständnis des Fahrzeugs und seiner Reaktionen auf bestimmte Änderungen.
Dieser Eingewöhnungsprozess zeigt sich aber auch in vermeintlichen Nebensächlichkeiten - kleinen Details, die belegen, wie sehr Fahrer nach jedem noch so kleinen Element suchen, um sich wohler zu fühlen.
Vor einigen Wochen berichteten wir bereits über erste hardwareseitige Änderungen, die Hamilton zur Verbesserung der Ergonomie am Lenkrad der SF-25 vorgenommen hatte - etwa einen neuen Kupplungs- und Getriebehebel.
Doch die Neuerungen beschränken sich nicht auf die Hardware. Vor allem auf Software-Ebene gab es zahlreiche Anpassungen, mit denen Hamilton versucht, Automatismen aus über zehn Jahren bei Mercedes nachzubilden.
Software anders als bei Charles Leclerc
Die für ihn entwickelte neue Software unterscheidet sich in mehreren Punkten von jener, die sein Teamkollege Charles Leclerc verwendet - unter anderem durch zusätzliche Datenanzeigen, die näher an die Mercedes-Lösung heranreichen.
Neben den klassischen Anzeigen für Geschwindigkeit, Gang, Rundenzeit und Delta - der "Grundausstattung" - finden sich auf Hamiltons Lenkrad auch weitere Informationen, die in Leclercs Rennansicht nicht vorhanden sind, etwa zur verwendeten Motor-Mapping. In der linken oberen Ecke des Displays erscheinen SOC (State of Charge, von 1 bis 12) sowie die aktive Motormap (ENG).
Diese Entscheidung basiert auf zwei Faktoren. Bei Mercedes war das Management der Power-Unit an einen einzigen Schalter namens "STRAT" am unteren Lenkradrand gekoppelt. Auf Hamiltons Anregung hin waren viele Funktionen in drei zentrale Bedienelemente zusammengefasst worden. Ferrari hingegen verfolgt einen anderen Ansatz mit getrennten Einstellungen.
So existieren bei Ferrari separate Regler für Motor (ENG) und Hybridmanagement (SOC). In der Hybrid-Ära war es bei Ferrari üblich, den SOC-Regler oben neben dem Display über ein Drehrad zu platzieren. Hamilton dagegen hat ihn nach unten verlegt - dort, wo bei Mercedes die Einstellungen für Differenzial und Bremsbalance lagen. Das entspricht eher seiner gewohnten Bedienlogik.
Deshalb wünschte sich Hamilton auch die Anzeige von Motor- und Hybridmodus auf dem Bildschirm, um stets zu wissen, welche Konfiguration gerade aktiv ist - wie früher bei Mercedes, wo diese Information direkt unter dem eingelegten Gang dargestellt wurde. Hinzu kommen weitere Parameter, etwa zur Überwachung der Flüssigkeitstemperaturen.
Deutlich mehr Regler bei Ferrari
Es gibt jedoch noch einen weiteren Unterschied zwischen den Systemen von Mercedes und Ferrari: Wie erwähnt, hatte Mercedes viele Funktionen in nur drei Regler integriert - halb so viele wie auf dem SF-25-Lenkrad. Die Moduswahl wurde dort über den "STRAT"-Regler unten links gesteuert und ebenfalls unter dem Gang auf dem Bildschirm angezeigt.
Ferrari hingegen bietet neben den separaten Reglern für ENG und SOC auch einen Schnellwahl-Schalter in der Lenkradmitte. Damit lassen sich die Fahrmodi im Handumdrehen wechseln. Die Anzeige erfolgt ebenfalls im unteren Bildschirmbereich unterhalb des Gangs.
Zu den verfügbaren Modi zählen "RACE" für das Rennen, "BOX" zum Pushen vor dem Boxenstopp, "FOR" für die Formationsrunde und "PSH" für das Qualifying. Hinzu kommen weitere Modi zur Reifen- und Kraftstoffkontrolle.
Ein weiteres interessantes Detail: Unterhalb des Motor-Mapping-Fensters gibt es einen Bereich für das sogenannte "Multi" - ein in der unteren Lenkradzone angebrachter Schalter für sekundäre Einstellungen. Hamilton wollte auch diese Information permanent am Display haben.
Die Steuerung ist damit deutlich detaillierter als jene, an die er von Mercedes gewöhnt war - einer der Gründe, warum sein Display mehr Informationen zeigt als das von Leclerc. Letzterer bevorzugt es, im Laufe der Runde weniger Daten zu sehen, verfolgt dafür aber einen Multiscreen-Ansatz: Beim Überqueren der Ziellinie wird jeweils ein anderer Datensatz angezeigt, etwa zum Kraftstoffverbrauch.