Teams mit immer mehr Standorten: Wie Corona die Formel 1 verändert hat
Fünf Jahre ist der Ausbruch der Corona-Pandemie diesen März her: Für Ex-Teamchef Günther Steiner hatten ihre Folgen Auswirkung auf einen aktuellen Formel-1-Trend
(Motorsport-Total.com) - Es ist so etwas wie das Silicon Valley der Formel 1: Im Einzugsgebiet der Grand-Prix-Strecke von Silverstone haben die meisten Teams entweder ihren Hauptsitz oder mittlerweile zumindest eine Dependance: Von Aston Martin über Mercedes, von Williams bis zu Red Bull - geographisch liegen die meisten Rennställe dieser Tage eng beieinander.

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Die Pandemie hat die Formel 1 auch etwas revolutioniert, findet Günther Steiner Zoom Download
Zuletzt rückten etwa auch die Racing Bulls mit ihrer England-Fabrik näher an das große Red-Bull-Werk in Milton Keynes - und selbst Neueinsteiger Cadillac hat sich, vormals noch unter dem Namen Andretti, mit einem Teil des Teams in Silverstone niedergelassen. Allein: Viele verschiedene Standorte, das bringt auch spezielle Herausforderungen mit sich...
Ex-Teamchef Günther Steiner kann davon ein Lied singen - bei Haas hatte der Südtiroler ebenfalls einen Standort in Banbury, unweit von Silverstone, zu verantworten: "Vielleicht waren wir unserer Zeit voraus, als wir es damals bei Haas genauso gemacht haben", blickt Steiner in seiner Rolle als Botschafter des Großen Preises von Miami jedoch wohlwollend auf die Struktur bei seinem ehemaligen Rennstall zurück.
Steiner denkt zurück: "Eine völlig andere Welt"
Wenngleich er zu bedenken gibt: "Wir hatten damals aber auch nicht viele Alternativen und entschieden uns schlicht für den besten Weg. Wenn man darüber nachdenkt, wie sich unsere Kommunikation in den letzten zehn oder zwanzig Jahren verändert hat, wird deutlich, dass die Technologie vieles erleichtert hat", sagt Steiner.
"Früher lief alles über Telefonate, heute sind wir vernetzt und sehen uns - das war damals eine völlig andere Welt. Während der Covid-Pandemie arbeiteten viele von zu Hause aus, ein zentrales Hauptquartier war oft nicht notwendig", so der 59-Jährige, laut dem diese Erkenntnis während Corona das Herangehen für die kommenden Jahre nachhaltig verändert hat: "Diese Entwicklungen nutzen Teams nun, um sich optimal zu strukturieren und die besten Talente für sich zu gewinnen."
So wie zuletzt eben die Neulinge von Cadillac, Audi oder auch die Racing Bulls. Dabei weist Steiner darauf hin, "dass solche Entscheidungen oft notwendig sind, um den Betrieb aufrechtzuerhalten, denn die Branche ist äußerst komplex. Man könnte sagen, Racing Bulls sollte alles nach Großbritannien verlagern, doch das hätte zur Folge, dass sie nicht nur wertvolle Fachkräfte, sondern auch eine gewachsene Infrastruktur verlieren würden."
Schließlich ist und bleibt der Hauptsitz des Teams weiterhin das italienische Faenza. Steiner: "Man muss also einen Ausgleich schaffen - genau das tun auch Sauber und Audi derzeit. Sie sagen: 'Wir haben einen hervorragenden Windkanal in der Schweiz und ein starkes Team vor Ort, aber es ist schwierig, weiteres qualifiziertes Personal dorthin zu holen.' Die Lösung? Eine zusätzliche Niederlassung in Großbritannien."
Haas als Vorreiter: "Haben bewiesen, dass es funktioniert"
So gesehen sieht Steiner sich und seine Haas-Truppe durchaus als Vorreiter: "Unsere größte Herausforderung war damals die Technologie. Die Systeme für Videokonferenzen waren noch nicht ausgereift und nicht immer zuverlässig. Das war das größte Problem. Viele hielten es für unmöglich, ein Team über Videocalls zu koordinieren, doch wir haben bewiesen, dass es funktioniert", sagt der Südtiroler.
Fotostrecke: Formel-1-Fahrer, die bei Haas ihr Debüt gefeiert haben
Auch wenn Oliver Bearman 2025 seine erste Formel-1-Saison bei Haas bestreitet, so ist der Engländer kein Kandidat für die Liste. Denn seinen ersten Grand Prix bestreitet er in Dschidda 2024 für Ferrari als Ersatz von Carlos Sainz. Die Liste der echten Debütanten von Haas ist kurz und findet ihr in dieser Fotostrecke. Fotostrecke
Für ihn sei es jedoch schon immer mehr "eine Frage des Engagements" gewesen, "die Zusammenarbeit erfolgreich zu gestalten. Für uns war diese Arbeitsweise von Anfang an selbstverständlich, da das Team von Grund auf so konzipiert wurde. Wir mussten uns nicht umstellen."
Teams, die aber erst jetzt ihre Struktur ändern "und Mitarbeiter, die jahrelang anders gearbeitet haben, sich an neue Abläufe gewöhnen müssen", hätten es deshalb nun schwieriger, urteilt Steiner: "Solche Veränderungen erfordern bewusste Anstrengungen, um das Teamgefüge intakt zu halten." Damit auch mit zwei oder mehr Standorten alles klappt...