Warum Oscar Piastri noch nicht an die WM denkt
Er hat den China-Grand-Prix gewonnen und fährt im derzeit besten Auto, aber weshalb macht sich Oscar Piastri eigentlich (noch) keine Gedanken über den Titel?
(Motorsport-Total.com) - McLaren-Fahrer Oscar Piastri war der große Gewinner beim China-Grand-Prix der Formel 1, denn er hat mit dem zweiten Platz im Sprint und mit dem Sieg im Hauptrennen beinahe die perfekte Punkteausbeute gesichert. Und weil er im aktuell besten Auto sitzt, stellt sich die Frage: Krönt er seine Saison 2025 am Ende mit dem WM-Titel?
Auf diese Diskussion will sich Piastri nicht einlassen. Er sagt: "Es ist noch sehr, sehr früh im Jahr. Und ich glaube, egal ob die Saison lang ist oder kurz, man muss in jedem Rennen das Maximum aus dem Auto herausholen."
Das ist Piastri beim Auftakt in Australien nicht gelungen: Nach einem Dreher im Nassen reichte es für ihn nicht zum erhofften Podestplatz, sondern nur zu Platz neun. Deshalb liegt Piastri derzeit "nur" auf Platz vier in der WM hinter seinem Teamkollegen Lando Norris, Max Verstappen im Red Bull und George Russell im Mercedes.
Und Piastri weiß: Gerade die frühen Rennen können entscheidend sein. "Vergangenes Jahr haben wir es bei Verstappen gesehen. Er gewann den Titel, weil er das Potenzial seines Autos zu Saisonbeginn voll ausgeschöpft hat. Natürlich war er auch danach gut unterwegs, aber den Vorsprung hat er aufgebaut, als er zu Jahresbeginn die Möglichkeit dazu hatte", sagt Piastri.
Dinge ändern sich rasch in der Formel 1
Auch Piastri hat diese Gedanken im Hinterkopf. "Man weiß ja nie, wann jemand mit einem Update plötzlich schneller wird oder etwas Neues in der Abstimmung findet. Die Unterschiede sind ziemlich gering. Also sollte man die Gelegenheiten nutzen, wann immer man kann."
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Was wie vorausschauendes Fahren in Richtung WM-Titelgewinn klingt, will Piastri so nicht verstanden wissen. "So abgedroschen das auch klingt und es ist aus gutem Grund ein Klischee: Ich denke im Moment nicht an den Titel, sondern konzentriere mich auf ein Wochenende nach dem anderen. Denn letztlich gewinnt man eine Meisterschaft, indem man an jedem Wochenende das Beste herausholt."
Wie sich Piastri von 2024 auf 2025 verbessert hat
Das ist Piastri in China überzeugend gelungen. Es wirkt deshalb, als sei er gestärkt aus der Winterpause zurückgekehrt. Diesen Eindruck hat auch McLaren-Teamchef Andrea Stella gewonnen.
Er lobt Piastri: "Sein Rennverständnis, seine generelle Geschwindigkeit - und bis zu einem gewissen Grad auch, was seine Fragen zum Rennen betrifft - waren sehr präzise. Es waren die richtigen Fragen zum richtigen Zeitpunkt. Ich würde das erneut als Teil seiner weiterentwickelten Rennintelligenz werten. Das hat sich über den Winter verbessert."
Piastri habe zwischen den Saisons "viel gearbeitet", betont Stella. Sein Fahrer habe gemeinsam mit den Ingenieuren "eine lange Liste an Rennen analysiert", um zu sehen, wo er sich steigern könne.
"Aber für mich ist der größte Beweis seines Fortschritts ein Gespräch, das wir vor genau zwölf Monaten hier in China geführt haben. Ich erinnere mich noch gut, wie wir nach dem Rennen draußen standen, nur wir zwei, und uns etwas ratlos gesagt haben: 'Da gibt es viel zu lernen aus diesem Rennen.'"
"Und wenn man jetzt, zwölf Monate später, zurückblickt, dann denke ich, haben wir aus all diesen Erfahrungen gelernt und sie gut genutzt."