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Ford und Red Bull: Die Hintergründe ihres Formel-1-Deals
Ford kehrt 2026 mit Red Bull in die Formel 1 zurück - Warum sie sich für dieses Team entschieden haben, und warum sogar der Kauf eines eigenen Teams im Raum stand
(Motorsport-Total.com) - Mit den neuen Formel-1-Regularien für 2026 kehrt Ford nächstes Jahr mit Red Bull in die Königsklasse zurück. Wir zeichnen nach, warum sich der US-Autobauer für Red Bull entschieden hat und wie der Deal zustande kam.

© Red Bull Content Pool
Ab 2026 läutet Red Bull mit Ford eine neue Ära seiner Formel-1-Geschichte ein Zoom Download
Die Geschichte aus Red Bulls Perspektive ist inzwischen gut bekannt. Das Team aus Milton Keynes führte lange Verhandlungen mit Porsche über eine Zusammenarbeit für die neuen Antriebsregeln 2026. Letztendlich scheiterten die Gespräche jedoch.
Porsche wollte als gleichberechtigter Partner einsteigen und Anteile erwerben, doch Red Bull fürchtete, dadurch die Kontrolle zu verlieren. Zudem war Red Bull aufgrund der komplexen Konzernstruktur der Volkswagen-Gruppe skeptisch, ob es seine schnelle Entscheidungsfähigkeit behalten würde.
Scheitern des Porsche-Deals als Chance für Ford
Ford verfolgte das Scheitern der Verhandlungen zwischen Red Bull und Porsche sehr genau und erkannte darin sofort eine Chance für sich. "Es wurde sehr deutlich - zumindest aus unserer Außensicht -, dass es mit Red Bull und Porsche nicht funktionieren würde", sagt Mark Rushbrook, Motorsport-Direktor von Ford, gegenüber Motorsport.com, einer Schwesterplattform von Motorsport-Total.com.
"Ich habe Christian Horners E-Mail-Adresse herausgefunden, ihm eine Nachricht geschickt und gesagt: 'Hi, möchtest du reden?'" Das führte zu den ersten Gesprächen, über die Red-Bull-Teamchef Horner eine amüsante Anekdote teilt.
"Wir hatten ein Meeting in Dearborn auf dem Weg nach Brasilien, bei dem du, Bill Ford und Jim dabei waren. Ich dachte, wir sind auf einem guten Weg, als Jim mit einer Perez-Kappe ins Meeting kam! Da wusste ich: 'Das sieht vielversprechend aus!'"
"Man konnte sofort spüren, dass von ganz oben im Unternehmen eine echte Begeisterung für die Rückkehr in die Formel 1 kam - von Bill Ford, der unglaublich enthusiastisch war, und von Jim, der selbst ein Rennfahrer ist", schwärmt Horner.
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Die Dinge nahmen schnell Fahrt auf, doch die Frage bleibt: Warum entschied sich Ford genau für Red Bull als Partner in der Formel 1? Die US-amerikanische Marke hat eine lange Geschichte in der Serie, unter anderem mit den legendären Cosworth-DFV-Motoren, war jedoch seit Ende 2004 nicht mehr dabei. Damals verkaufte Ford das Jaguar-Team an niemand Geringeren als Red Bull.
Warum Ford seine Meinung änderte
Die wachsende Popularität der Formel 1 sowie die neuen Regularien für 2026 spielten eine große Rolle in der Entscheidung der Konzernzentrale in Michigan.
"Hättest du mich vor fünf Jahren gefragt - und tatsächlich wurde ich gefragt -, ob Ford in die Formel 1 zurückkehren würde, dann wäre meine Antwort Nein gewesen. Damals hielten wir die Formel 1 nicht für den richtigen Ort für uns. Aber inzwischen hat sich viel verändert", erklärt Rushbrook den Sinneswandel von Ford.
"Wenn man sich die Regularien für 2026 ansieht, mit der verstärkten Elektrifizierung, den neuen Kraftstoffen und dem Ziel, bis 2030 klimaneutral zu sein, dann passt das sehr gut zu unseren Werten und dem, was uns wichtig ist. Auch das Wachstum des Sports spielt eine Rolle", betont der Motorsport-Direktor.
"Wir betreiben Motorsport für Innovationen und den Technologietransfer - also dafür, Technologien von der Rennstrecke auf die Straße zu bringen und wenn möglich auch andersherum. Außerdem nutzen wir den Rennsport, um die Geschichte unseres Unternehmens, unserer Mitarbeiter und unserer Produkte zu erzählen."
"Vor drei Jahren wurde uns klar, dass sich die Dinge verändern und wir die Formel 1 ernsthaft in Betracht ziehen sollten. Und jetzt sind wir hier", so Rushbrook.
Ford erwog, ein eigenes Team zu kaufen
Doch zwischen dem Wunsch, in die Formel 1 zurückzukehren, und der Unterzeichnung eines Vertrags gab es noch einige Optionen abzuwägen. Rushbrook verrät, dass Ford auch andere Möglichkeiten prüfte - wie den Kauf eines bestehenden Teams.
"Bevor wir den Deal mit Red Bull abschlossen, gab es viele Diskussionen", erklärt er. "Einige Teams kamen auf uns zu, und wir haben uns auch selbst umgesehen. Wir mussten die verschiedenen Wege verstehen, wie wir in die Formel 1 einsteigen könnten."
"Wir haben sogar überlegt: 'Sollten wir ein eigenes Team kaufen?' Aber wir haben bereits bewiesen - wenn man sich anschaut, was damals aus Jackie Stewart Racing und dann Jaguar wurde -, dass das nicht unsere Kernkompetenz ist. Ja, wir sind im Motorsport aktiv, aber wir besitzen oder betreiben kein eigenes Team."
Fotostrecke: Alle Formel-1-Autos von Red Bull
2005: Red-Bull-Cosworth RB1 - Fahrer: David Coulthard, Christian Klien/Vitantonio Liuzzi Fotostrecke
"Wir setzen immer auf Partnerschaften - sei es mit Dick Johnson Racing in Australien, Penske in der NASCAR, Bob Tasca in der NHRA oder M-Sport im Rallyesport.
"Man kann entweder ein eigenes Antriebssystem komplett selbst entwickeln oder nur als Kunde einsteigen. Aber dann hätte Ford keine direkte Verbindung zu einem Team. Als wir die Möglichkeit mit Red Bull sahen, wurde uns schnell klar, wohin es geht."
"Diese Partnerschaft ermöglicht uns, mit dem - unserer Meinung nach - besten Team der Serie zusammenzuarbeiten. Unsere Kompetenzen ergänzen sich einfach."
Was bringt Ford ein? "Mehr als anfangs geplant"
Die große Frage in den frühen Gesprächen war, was Ford außer seinem Logo und Finanzmitteln konkret zum Red-Bull-Projekt beitragen könnte und wie die Zusammenarbeit mit Red Bull Powertrains in der Formel 1 aussehen würde.
"Meine erste Frage an Christian war: 'Was suchst du in einem Partner?' Und ich war bereit, zu sagen, was wir in einem Partner suchen. Schon in den ersten zwanzig Minuten des Gesprächs zeigte sich eine breite Übereinstimmung", erinnert sich Rushbrook.
"Bei diesem ersten Treffen haben wir auch die Bereiche definiert, in denen Red Bull Racing Unterstützung beim Antriebssystem und beim Rennteam benötigte - und wo wir beitragen und lernen wollten. Dieser Prozess läuft bis heute weiter, und die Liste ist inzwischen länger als bei den ersten Gesprächen."
Anfangs war der Plan, dass Ford hauptsächlich bei den elektrischen Komponenten des 2026er-Motors helfen würde. Doch Rushbrook betont, dass die Zusammenarbeit inzwischen weit darüber hinausgehe. "Additive Fertigung ist ein gutes Beispiel. Wir haben gute Ressourcen und Materialien in diesem Bereich."
"Das stand anfangs nicht auf der Liste, aber jetzt arbeiten wir daran. Dasselbe gilt für den Verbrennungsmotor und den Turbolader. Auch das war nicht Teil des ursprünglichen Plans, aber unser Wissen über Modellierung und Tests kann Red Bull helfen."
Laut Rushbrook zeigt das, dass Ford nicht nur aus Marketinggründen in die Formel 1 einsteigt, sondern auch wegen des Technologietransfers in die Serienproduktion. "Unser Hauptaugenmerk liegt auf der Elektrifizierung - also der Batteriezellenchemie, dem Batteriepaket, dem Elektromotor, dem Wechselrichter sowie auf der Steuerung und Software. Das ist eine große Chance für uns."
Es ist eine völlig andere Arbeitsweise als die, die Red Bull ursprünglich mit Porsche besprochen hatte, wie Horner betont. "Von Anfang an haben Mark und Jim Farley gesagt: 'Ihr macht jeden Tag Formel 1. Das ist euer Brot und Butter. Wir werden euch nicht unsere Methodik aufzwingen. Ihr sagt uns, wie wir helfen können.'"
"Es war ein sehr offenes Buch. Es fühlt sich an wie eine Partnerschaft, die man den Ingenieuren nicht aufzwingt, was manchmal in solchen Beziehungen vorkommt, und wovor wir bei der anderen Option, die wir in Betracht zogen, Angst hatten."
Der Geist von Mateschitz: "No risk, no fun"
Wie wettbewerbsfähig das Endprodukt 2026 sein wird, ist noch unklar. Horner gibt zu, dass er sich keine Illusionen macht, dass das erste Jahr reibungslos verlaufen wird. Gleichzeitig sieht er für Ford einen Vorteil: Da die Marke nicht allein für den Motor verantwortlich ist, könnte sie öffentlich weniger stark kritisiert werden.
"Es ist ein bisschen wie Großeltern sein", witzelt der Red-Bull-Teamchef. "Man bekommt die ganzen Vorteile des Kindes, aber am Ende gibt man es den Eltern zurück - ohne schlaflose Nächte oder Windeln wechseln zu müssen."
"Für uns ist es einfach aufregend, Ford zurück in der Formel 1 zu haben. Natürlich ist dieses Projekt mit Risiken verbunden. Einen eigenen Motor zu bauen, ist eine wahnsinnige Investition. Aber wie Dietrich Mateschitz immer sagte: 'No risk, no fun.' Genau das trifft auf dieses Projekt zu - wir hätten es ohne einen gleichgesinnten Partner nicht umsetzen können", freut sich Horner auf die Zusammenarbeit.