Williams-Dorilton-Deal: Kaufpreis lag bei 152 Millionen Euro

Kommentiere hier unsere Artikel rund um das Formel-1-Business
Antworten
Redaktion
Formel1.de-Legende
Formel1.de-Legende
Beiträge: 28019
Registriert: 12.09.2007, 17:33

Williams-Dorilton-Deal: Kaufpreis lag bei 152 Millionen Euro

Beitrag von Redaktion » 29.08.2020, 08:48

Claire Williams lässt offen, welche Familie hinter Dorilton Capital steckt, dem Käufer des traditionsreichen Formel-1-Teams - Gerüchte um Einstieg von Bernie Ecclestone
Frank Williams, Bernie Ecclestone

Gute Freunde: Frank Williams und der ehemalige F1-Boss Bernie Ecclestone

Es war eines der spannenderen Internetgerüchte der vergangenen Tage: Aus den Transaktionsunterlagen rund um den Verkauf von Williams Grand Prix Holdings PLC (WGPH) geht hervor, dass nicht direkt an die New Yorker Investmentgesellschaft Dorilton Capital verkauft wurde, sondern an einen von Dorilton verwalteten Fonds namens BCE Limited. Das wiederum sorgte für hochgezogene Augenbrauen in der Branche, weil BCE die Initialen von einem gewissen Bernard Charles Ecclestone sind.

Wirklich nur Zufall? Oder hat der Milliardär Ecclestone (89) seinem alten Freund Frank Williams (78) ein letztes Mal aus der Patsche geholfen, indem er dessen Team gekauft hat? Grund genug, Claire Williams in der Freitags-Pressekonferenz in Spa danach zu fragen. Die Antwort: "Ich habe das auch gesehen. Ich habe Anfang der Woche mit Herrn Ecclestone gesprochen und ihn gefragt, ob er dahintersteht."

Nur um zu ergänzen: "Das ist ein Witz", lacht Williams. "Bernie", stellt sie klar, "hat nichts mit unseren neuen Eigentümern zu tun. Bernie ist nicht der neue Eigentümer von Williams." Allerdings bejaht sie Recherchen des Journalisten Joe Saward, wonach Dorilton Capital keine Investmentgesellschaft im klassischen Sinn sei, sondern in erster Linie das Vermögen einer sehr reichen Familie verwaltet.

Was die Frage aufwirft: Wer ist diese Familie? Williams winkt ab: "Ich möchte darauf keinen Kommentar abgeben." Und: "Ich kann derzeit nicht viel dazu sagen, wer die Leute hinter Dorilton sind. Wir werden in den nächsten Wochen und Monaten dazu in der Lage sein, diesbezüglich klarer zu werden."

Hollinger und Wolff haben ihre Aktien auch verkauft

Klar ist: Dorilton sei jetzt 100-Prozent-Eigentümer von WGPH. Das bedeutet, dass der Geschäftsmann Brad Hollinger und Mercedes-Teamchef Toto Wolff im Zuge der Transaktion ihre Aktien mitverkauft haben. Der Kaufpreis lag bei 152 Millionen Euro. In Cash geflossen sind davon 112 Millionen Euro. Mit der Differenz mussten akute Schulden getilgt und Transaktionskosten bezahlt werden.


Fotostrecke: Die Williams-Story

Auf geht's ins Abenteuer Formel 1: Nach zwei erfolglosen Anläufen in der Königsklasse gründen Frank Williams (70 Prozent) und Patrick Head (30 Prozent) ihr eigenes Team. Mit einem March-Chassis steigt man beim Grand Prix von Spanien in die Weltmeisterschaft ein.

Auf geht's ins Abenteuer Formel 1: Nach zwei erfolglosen Anläufen in der Königsklasse gründen Frank Williams (70 Prozent) und Patrick Head (30 Prozent) ihr eigenes Team. Mit einem March-Chassis steigt man beim Grand Prix von Spanien in die Weltmeisterschaft ein.

Dorilton Capital steigt damit - das wissen viele Fans nicht - nicht nur beim Formel-1-Team Williams ein. WGPH hält unter anderem auch einen Anteil an der Technologiefirma Williams Advanced Engineering. Die Gruppe ist seit 2011 in Frankfurt börsennotiert. Ein Emissionskurs von 25 Euro pro Aktie entsprach damals einer Bewertung von 250 Millionen Euro.

Heißt: Williams hat in den vergangenen zehn Jahren rund die Hälfte an Wert verloren. "Das Team", räumt Claire Williams ein, "hat dieses Investment gebraucht. Jetzt liegt, unter den neuen Eigentümern, eine strahlende Zukunft vor dem Team. Und das Wichtigste für die Fans ist, dass der Name Williams im Formel-1-Rennsport erhalten bleibt."

Bleiben Sie Teamchefin? Williams weicht aus ...

Aber auch Claire Williams als Teamchefin? "Ich bin Stellvertretende Teamchefin", korrigiert sie eine entsprechende Frage. "Mein Vater ist immer noch Teamchef." Prinzipiell sei derzeit alles "Business as usual" und das bisherige Management in bekannten Positionen tätig. Um Fragen, ob das auch langfristig so bleiben wird, legt Williams aber einen Eiertanz hin.

Claire Williams

Claire Williams bei der Teamchef-Pressekonferenz am Freitag in Spa

"Es ist noch sehr früh. Im Moment ist alles wie bisher. Ich bin hier in meiner Funktion ... Ich habe in Barcelona das Team geführt und auch in den Rennen davor, und das wird weiterhin der Fall sein", sagt sie. Auch langfristig? "Diese Frage bekomme ich immer wieder gestellt, und meine Antwort ist immer die gleiche: Für den Moment ist es Business as usual. Mehr kann ich dazu nicht sagen."

Das klingt nicht so, als sei sich die 44-Jährige sicher, noch lange als De-facto-Teamchefin tätig zu sein. Darüber entscheiden die neuen Eigentümer - die in der Öffentlichkeit noch niemand kennt. Aber Williams verspricht immerhin: "Ich bin mir sicher, dass man sie sehr bald auch an der Rennstrecke sehen wird."

Dorilton habe sich vor dem Kauf intensiv mit der Materie auseinandergesetzt und habe auch "sehr starke Berater, die ihnen dabei geholfen haben, Wissen aufzubauen. Natürlich wird es ein Lernprozess, aber sie sind schon Teil des Teams, arbeiten in Grove mit und versuchen zu verstehen, was erforderlich ist, um nach vorne zu kommen."

"Ich habe großes Vertrauen, dass das die richtigen Leute sind."


Link zum Newseintrag Autor kontaktieren
Zuletzt geändert von Redaktion am 29.08.2020, 08:48, insgesamt 5-mal geändert.

Benutzeravatar
Rain King
Rookie
Rookie
Beiträge: 1642
Registriert: 10.07.2013, 15:16
Lieblingsfahrer: MSC ROS RAI HUL
Lieblingsteam: Ferrari

Re: Williams-Verkauf: Investor "BCE" ist nicht Bernard Charles Ecclestone

Beitrag von Rain King » 29.08.2020, 09:16

Ich wette darauf, dass tatsächlich Ecclestone dahinter steckt.
SCHUMI :heartbeat:
RIP Jules

Benutzeravatar
DuxFortis
Testfahrer
Beiträge: 882
Registriert: 05.08.2020, 01:27
Lieblingsfahrer: Maria Teresa de Filippis
Wohnort: Dortmund

Re: Williams-Verkauf: Investor "BCE" ist nicht Bernard Charles Ecclestone

Beitrag von DuxFortis » 29.08.2020, 09:41

Claire sagte ja, es ist ein Familienvermögen, muss also nicht Bernie selbst sein, könnte auch einer seiner Kinder sein.
Also nicht wundern wenn 2022 auf einmal ein Ace-Williams mit Porschemotor in der Startaufstellung steht. :lol:
Gib immer 100%, außer beim Blutspenden.

Benutzeravatar
DC21
Vize-Weltmeister
Vize-Weltmeister
Beiträge: 6875
Registriert: 26.07.2007, 13:49
Lieblingsfahrer: DC, Button, Ricciardo, Piastri
Lieblingsteam: McLaren und Williams
Wohnort: im schönen Sauerland

Re: Williams-Dorilton-Deal: Kaufpreis lag bei 152 Millionen Euro

Beitrag von DC21 » 30.08.2020, 09:25

Ich kenne mich mit der Finanzwelt nicht wirklich aus, aber zum einen finde ich 152 Millionen für ein F1-Team und dazu noch weitere Zweige des Teams echt günstig, wenn ich daran denke, dass NBA Teams für ca. 2 Milliarden verkauft werden und zum anderen ist es schon mysteriös, wenn man gar nicht weiß, wer denn das Team jetzt gekauft hat.
Button-Fanclub "Jenson is the smartest"
Bild

Benutzeravatar
scott 90
Rennsportlegende
Rennsportlegende
Beiträge: 17980
Registriert: 01.11.2010, 17:39
Wohnort: So weit im Süden-schon fast wieder im Norden

Re: Williams-Dorilton-Deal: Kaufpreis lag bei 152 Millionen Euro

Beitrag von scott 90 » 31.08.2020, 01:40

Redaktion hat geschrieben: 29.08.2020, 08:48 Dorilton Capital steigt damit - das wissen viele Fans nicht - nicht nur beim Formel-1-Team Williams ein. WGPH hält unter anderem auch einen Anteil an der Technologiefirma Williams Advanced Engineering.
Tatsächlich wusste ich das nicht, weil ich dachte WAE wäre verkauft worden, aber offenbar nur zu 75%, 25% hält Williams noch. Das kann also nicht das einzige Argument für den Kauf sein.
Mit dem Kaufpreis wird man wahrscheinlich auch Latifi ausbezahlt haben, der hatte Williams ja Geld geliehen. Das geht sich zwar nicht ganz aus, aber das kann viele Gründe haben.

RaceFans spinnt das ganze weiter
https://www.racefans.net/2020/08/30/who ... -williams/
aber das klingt nach auch nach einem Gerücht, wurde nur noch nicht dementiert. Die "Manor" Leute hätte ja zumindest Ahnung von der Materie.
DC21 hat geschrieben: 30.08.2020, 09:25 Ich kenne mich mit der Finanzwelt nicht wirklich aus, aber zum einen finde ich 152 Millionen für ein F1-Team und dazu noch weitere Zweige des Teams echt günstig, wenn ich daran denke, dass NBA Teams für ca. 2 Milliarden verkauft werden und zum anderen ist es schon mysteriös, wenn man gar nicht weiß, wer denn das Team jetzt gekauft hat.
Für NBA Teams ist der Markt sicherlich größer, wobei ich jetzt auch nicht weiß wie lukrativ es ist ein solches Team zu besitzen.
Es ist aber bislang nicht so unüblich nicht genau zu wissen wer dahinter steckt.
Das wusste man bei Sauber auch nicht wirklich und weiß es immer noch nicht genau. Durch die Hintertür könnte das Team in diesem Fall auch wieder von Rennfahrervätern gekauft worden sein, da muss man jetzt abwarten wer das Management übernimmt und wie zukünftige Fahrerentscheidungen ausfallen.

Wenn es Bernie ist läuft es vielleicht wie zum Schluss bei Brabham, offiziell war er zum Schluss nicht der Besitzer aber er war schon noch irgendwie involviert.
Bild
RIP #77DW #17JB #25JW

Antworten